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Einstein-Grafik von Liona L.-Toussaint

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Copyright © 1999 by Liona L. Toussaint / ADDchaotic@aol.com
Alle Rechte vorbehalten.
Ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung ist eine Vervielfältigung oder Verbreitung nicht gestattet.

 


«I felt a Cleaving in my Mind - as if my Brain had split»

(Ich spürte ein Sich-Spalten in meinem Inneren - als wäre mein Gehirn entzweigegangen)

Emily Dickinson (1864)

 

 

 

 

Der Versuch

Dies ist mitunter ein Beginn meiner Neuorientierung

 

Ich habe mich entschlossen, den Versuch zu starten, dieses Buch zu schreiben, um mir und allen anderen ADDlern jenen Blick zu verschaffen, der es uns möglich(er) macht, mit ADD zu leben. Ich kann ab heute nur hoffen, daß dieses Projekt nicht - wie zig andere meiner Projekte - im Ansatz steckenbleibt und die Überschrift dieses Kapitels >Der Versuch<, nicht nur ein Versuch bleibt, sondern eine Vollendung.

 

Meine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADD, von englisch attention deficit disorder) stellt mich hiermit auf eine harte Probe erzwungender Disziplin und Konzentration, wie hoher Anforderung, mich um mein Vorhaben zu bemühen und dem mir unerträglichen Druck standzuhalten.

weiter ..........

 


.......... 

Dieses Buch ist nicht nur für ADDler, sondern auch für Menschen, die einen ADDler in ihrer Familie oder in ihrem Bekanntenkreis haben. Ich hoffe sehr, daß ich mit meinem Buch dazu beitragen kann >ein allgemeines Verständnis aufbauen zu können<, damit wir ADDler endlich besser verstanden werden, akzeptiert und als Ganzes in unserer Gesellschaft integriert. Wir Betroffene wünschen uns das sehr, denn wir sind es leid ausgegrenzt zu werden, sich unverstanden zu fühlen und nicht selten sogar als Versager, dumm oder Träumer gesehen zu werden.

Ein genaues Wissen um die Krankheit ADD >Attention Deficit Disorder< bzw. ADS >Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom< trägt dazu bei, einander besser zu verstehen und Mißverständnisse aus dem Weg räumen zu können, welche einen starken negativen Einfluß auf ADD haben, wodurch ADD nur verschlimmert wird und daraus resultiert, daß wir ADDler, und Menschen ohne ADD die mit uns leben und arbeiten, >im ewigen Konflikt miteinander stehen<. Durch Aufklärung und Verständnis wird es uns vielleicht bald ermöglicht - selbst mit gewissen Defiziten - ein normales Leben führen zu können.

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Was ist ADD? (Kurzbeschreibung)

 

ADD (Attention Deficit Disorder), oder ADHD (Attention Deficit Hyperactivity Disorder), oder ADS (Aufmerksamkeits Defizit Syndrom) mit und ohne Hyperaktivität und Sozialstörung, ist eine Aufmerksamkeitsstörung, ein ererbtes neurologisches Syndrom, charakterisiert durch leichte Ablenkbarkeit, einer kurzen - aber auch einer außerordentlich intensiven Aufmerksamkeitsspanne, verkürzter Ausdauer und Konzentration, übersteigerter Impulsivität, verzerrtem Zeitgefühl, aggressiven Verhaltensweisen, Hyperaktivität oder Hypoaktivität, Depression, vermehrte Reizbarkeit, Frustrationsintoleranz, einer niedrigen Toleranz für Langeweile, einer überdurchschnittlichen Neigung, zu sagen oder zu tun, was einem gerade einfällt und hoher Kreativität. Nicht selten wird ADD auch von einer Leistungs- oder Teilleistungsschwäche begleitet.

ADD ist nicht einheitlich und einzelne Symptome variieren individuell, wodurch ein Festlegen des Krankheitsbildes nicht möglich ist. ADD-Symptome findet man in jedem Menschen, und nur die >Dauer< und >Heftigkeit< der Symptome kennzeichnen das Krankheitsbild. Nicht alle genannten Symptome (und es wurden nur die auffälligsten Symptome aufgezählt) müssen nebeneinander bestehen und ebensowenig müssen nicht alle Symptome gleich stark ausgeprägt sein.

Um ADD einem gesunden Menschen verständlich zu machen und um es zu erkennen, bedarf es der Aufzählung von Fallbeispielen, da ADD zu komplex und widersprüchlich ist. >Auffällig ist, was anders ist<, und ADDler sind eine ganz andersartige Persönlichkeit. Wir sind die Jäger (Hunter) in einer Gesellschaft von Farmern (wie es Thom Hartmann in seinem Buch "Eine andere Art die Welt zu sehen") so schön beschreibt.

Ein wesentliches Symptom des ADD ist die Störung der Aufmerksamkeit, die sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar macht. ADDler können nicht lange bei einer Sache bleiben, obwohl eine grundlegende Fähigkeit an Konzentration durchaus möglich ist, sie sich aber nicht auf alle Bereiche übertragen läßt und von verschiedenen Faktoren abhängt. Die meisten ADDler können manchmal sogar hyperfokussieren. Da ADDler immer alle Antennen auf Empfang haben, bekommen sie alle Umgebungsreize gleichstark mit und können irrelevante Faktoren nicht ausblenden. Man nennt dies auch >Reizfilterschwäche<.

ADDler werden oft als Träumer und Versager hingestellt, als Menschen, die nicht zuhören können, andauernd abschweifen, schnell Wutausbrüche ohne ersichtlichen Grund bekommen, sich scheinbar nicht genug bemühen, sich eben in vielen Lebenssituationen unpassend benehmen. Sie sind nicht sehr entschlußfreudig, immer auf dem Sprung, haben mehrere Projekte gleichzeitig laufen, bringen selten eine Sache zu Ende, sind ständigen Stimmungsschwankungen unterworfen, reagieren meist gereizt oder gar wütend, haben ein lückenhaftes Gedächtnis, und sie können von einer Euphorie - innerhalb von Sekunden - in eine tiefe Depression fallen.

Obwohl ein ADDler mit seinen Problemen in dieser Gesellschaft täglich Kämpfe austragen muß, bringt ADD auch einige Vorteile, welche nicht ungenannt bleiben sollten. Energieüberfluß, Intuition, Kreativität und Begeisterungsfähigkeit machen einen ADDler außergewöhnlich und zu einer besonderen Persönlichkeit.

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Vorwort an unüblicher Stelle

 

Manchmal glaubt man, daß der Schatten nie vorüberzieht und sieht verzweifelt nach oben, wo graue Wolken sich nicht aufzureißen scheinen. In der Ferne der blaue Himmel und die gelbe warme Sonne, darunter das bunte Kleid des Lebens und die Schönheit der Stadt in der wir leben. Müde und traurig der Schritt, Gedanken flatterhaft und einfach nicht zu greifen; im Innern der Schmerz der Fülle, der uns zeigt, daß es da drinnen soviel gibt zu geben - aber wie. Und dann noch die unzähligen Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Willst/wollen DU/SIE Antworten finden?, so hilft dieses Buch vielleicht.

Ich war über 20 Jahre auf der Suche was ich nicht finden konnte, weil ich nicht wußte wo ich suchen sollte - um zu finden. Eine Pyramide der Wut manifestierte sich und ein steiniger Weg brachte mich oft zu Fall. Aber ich stand immer wieder auf, und was viel wichtiger war, ich blieb in mir.

Jetzt habe ich viele Antworten für mich, für Dich, für Sie - und die graue Wolkendecke reißt sich auch für mich hin und wieder auf, nicht immer, aber vielleicht immer und immer öfter.

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Kurze Erklärung - für die immer wieder auftauchenden verschiedenen Abkürzungen und deren Bedeutungen

 

>ADS< (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) ist eine von mehreren Bezeichnungen, die von den Fachautoren für die gleiche Problemgruppe verwendet wird.

 
In Deutschland hat sich vor allem der Name >HKS< (Hyperkinetisches Syndrom) eingebürgert, der jedoch recht irreführend die motorische Unruhe in den Mittelpunkt des Krankheitsbildes stellt.

 
Folgende weitere Begriffe werden in der internationalen Fachliteratur ebenfalls verwendet:

 

ADD: Attention Deficit Disorder

MCD: Minimale cerebrale Dysfunktion

MBD: Minimal Brain Dysfunction / Damage

POS: Psycho-organisches Syndrom (Schweiz)

ADHD: Attention Deficit Hyperactivity Disorder mit und ohne Hyperaktivität und Sozialstörung gilt in den USA und international als korrekte Bezeichnung.

 

Alle Namen umfassen allerdings nur Teilaspekte der Störung und sind daher nicht identisch, aber sie überschneiden sich in großen Bereichen.

 


Bericht von Dr. Droll (Berliner Psychiater und mein Arzt):

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

 

Das Störungsbild

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung wird im internationalen Schrifttum als Attention Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD) bezeichnet. Teilweise wird auch die kürzere Bezeichnung Attention Deficit Disorder (ADD) verwendet, die aber den gleichen Störungskomplex meint. Man versteht hierunter wesentliche Funktionsbeeinträchtigungen in drei Bereichen:

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Epidemiologie

 

Eine Reihe von Untersuchungen hat die Unabhängigkeit des Auftretens dieser Störung von kulturellen Bedingungen belegt. Die Häufigkeit liegt im Mittel aller Studien bei ca. 5% im Kindes- und Jugendalter, wobei unter Betonung des Hyperaktivitätskriteriums deutlich mehr Jungen als Mädchen betroffen erscheinen. Man kann davon ausgehen, daß mindestens ein Drittel der betroffenen Kinder auch im Erwachsenenalter noch wesentliche Beeinträchtigungen durch ihr Störungsbild hat.

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Die ADS ist eine komplizierte Störung, die nicht einfach in die üblichen diagnostischen Schubladen paßt. Wir bekommen ein einseitiges und überaus vereinfachtes Bild von Problemen, die Leute mit ADS haben, wenn wir die ADS mit den drei üblichen klassischen Symptomen, nämlich Hyperaktivität, Impulsivität und Aufmerksamkeit beschreiben. Viel zuviel von der vorhandenen Literatur stammt aus der Feder von ADS-Experten, die diese Störung von außen beobachten. Eine solche Sichtweise erfaßt nur einen Teil der Geschichte. Die ADS ist nämlich ein ganz subtiles Handicap, dessen Auswirkungen wir gerade erst zu verstehen beginnen.

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Die ADS sieht sogar bei ein und derselben Person zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich aus.

 

Die Auswirkung der ADS auf das Leben der Betroffenen

 

• Desorganisation

• starke emotionale Reaktionen

• Leistung unter seinem Potential

• ein geringes Selbstwertgefühl

• Beeinträchtigung von Beziehungen

• Depressionen

 

Leute mit ADS haben beim Herausfiltern nicht benötigter Informationen Schwierigkeiten. Nicht Betroffene blenden ganz automatisch, mühelos und ohne Denkanstrengung nicht relevante interne und externe Störquellen aus. Personen mit ADS handeln bei >weit geöffneten Toren<. Da sie Störendes nicht ausfiltern können, fühlen sie sich leicht überflutet, bombardiert, angegriffen und überrumpelt.

Daher ist es durchaus verständlich, daß solche Leute emotional sehr heftig reagieren können. Man kann auch leicht nachvollziehen, daß die ständig auf wechselnde Ziele gerichtete Aufmerksamkeit zu ernsthafter Desorganisation führen kann.

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Wiederkehr

 

Seit Tagen bin ich wieder der Unfähigkeit verfallen und leide. Mein Leid >Nichts< auf Papier bringen zu können, keinen Schritt vor den anderen zu setzen, um auch nur den Anfang zu finden, mich an den Computer zu setzen um zu schreiben. Jeder Gedanke gehört diesem Buch und anderen neuen Projekten, ob unter der Dusche, beim Lesen, in einer Unterhaltung etc. Es tut weh und die Schmerzen der Unfähigkeit sind unbeschreiblich. Ich schreibe in meinem Hirn und finde den Ausdruck, welchen ich nicht vermag wenigstens auf mein Diktiergerät zu sprechen. Mit allerletzter Kraft und dem Wissen, daß sich meine Gedanken in Luft auflösen werden, wenn ich sie nicht sofort schriftlich festhalte, starte ich den Versuch, wenigstens einen Teil davon in groben Stichpunkten auf einen Fetzen Papier zu kritzeln. In meiner Hand der Stift und vor mir liegend das leere Blatt - nicht selten weiß und kühl bleibend.

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Die letzten Tage waren mal wieder die Hölle und ich wollte, wie so oft, alles hinschmeißen. Jetzt saß ich Stunden vor dem Computer (weil ich mir vorgenommen hatte zu arbeiten), doch alles was ich tat war: mich ablenken lassen und von einem Programm zum andereren wandern. Ein ständiger Druck im Nacken, meine innere Stimme, die mir sagte: >Nun fang endlich an<!, aber es passierte nichts. Dieser Zustand ist unerträglich und läßt mein Selbstwertgefühl, welches eh kaum noch vorhanden, auf den Nullpunkt sinken.

Ich verschiebe, wo es nur zu verschieben geht, bis aufs Äußerste. >Manche Dinge bleiben unbearbeitet liegen, bis sie sich von selbst erledigen.< Mit jeder Verzögerung baut sich ein Feld von Zweifeln und Panikattacken auf. Panik vor der Zukunft, weil ohne Einsatz und Organisation keine Existenzgrundlage geschaffen werden kann bzw. erhalten bleibt. Wie kann ich leben, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, welche mich in Selbstzweifel und ohne Selbstwertgefühl wiegt, womit ich wieder und wieder zum Resultat des Versagers gelange, obwohl ich kein Versager bin.

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Die Wut

 

Die Wut, welche immer präsent scheint und explosionsartig ohne definierbaren Grund ausbrechen kann, ist eine meiner schlimmsten Feinde. Sie beeinträchtigt mein Leben, und ich komme mir vor auf einer Vulkan-Insel zu leben. Niemand weiß, wann der Vulkan ausbricht und welche Folgen er hat. Diese unkontrollierbare Wut kommt sozusagen aus dem Nichts und beherrscht die momentane Situation so stark, daß es keine Möglichkeit gibt, ihr aus eigener Kraft zu entrinnen. Vielmehr bin / wäre ich dann einem verständnisvollen Menschen ausgesetzt, welcher wiederum die Kraft besitzen muß, diese Ausbrüche der Wut nicht auf sich zu beziehen und sanft gegenzuwirken. Nur der aufgeklärte Mensch über ADD ist in der Lage, eine Folge der Wut von unnötigen und sinnlosen Auseinandersetzungen umzuwandeln. Deshalb liegt es mir besonders am Herzen, für mich und andere Betroffene, dieses Buch zu schreiben und somit Aufklärungsarbeit zu leisten.

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Die Depression

 

Die Depression ist ein weiterer schlimmer Feind. Sie tritt genauso unvorhersehbar ein und leistet den größten Beitrag, mein Leben nicht organisieren zu können. Sie kommt und geht in kurzen Abständen, und kann aber auch sehr anhaltend sein und zur völligen Unfähigkeit führen. Obwohl sich meine Depression ankündigt, ich ihr durch diese Ankündigung entgegenwirken könnte, kann ich es nicht. Es ist, als würde ich am Strand sitzen und aufs Meer blicken. Ich sehe einen Menschen ertrinken (mich) und schaffe es nicht, ins Wasser zu springen, um diesen Ertrinkenden zu retten. Ich sehe zu, bin wie gelähmt, erkenne die Not und lasse es dennoch zu. Danach Stille. Der Leichnam schwimmt auf der Oberfläche, das Wasser glitzert im Sonnenlicht, und ein Gemisch von Frieden und Grausamkeit erbricht sich.

 


Der Anker im Boot

 

Ich schwimme von einem Projekt zum anderem und werfe keine Anker, um zu bleiben. Ich kann diese Anker nicht werfen, weil nichts so hundertprozentig ist, daß es sich lohnt, bleiben zu wollen. Lieber schwimme ich weiter, in der Hoffnung, einen besseren Ankerplatz zu finden. Und so sitze ich in meinem Boot, treibe immer weiter hinaus und erkenne keine Ufer mehr.

 


Briefe an meinen Arzt

» (bevor ich von ADD wußte) «

 

 

(23.08.96)

Sehr geehrter Herr Dr. Droll,

 

... Heute drehten sich all meine Gedanken darum, mein Leben beenden zu wollen. Ich kann diesen Schmerz nicht ertragen, fühle mich wie eine Seifenblase, in die sich ein Strohhalm bohrt. Meine innere Leere, die doch bedeutet: Platz für >Neues< zu haben, ängstigt mich. Dennoch fühle ich auch eine Veränderung, die Leben bedeutet.

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Ein Gefühl von Leere breitet sich in mir aus. Nichts zu spüren ist wie ein Stillstand des Herzens. Kein Blut wird mehr durch meine blaßblauen Adern gepumpt, meine Atmung setzt aus. Ich bin wie ein Roboter und setze einen Fuß vor den anderen, wie ferngesteuert.

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Ich hasse Oberflächlichkeit - und gerade diese umgibt mich unaufhörlich. Ich liebe die Tiefe und Kreativität. Leben soll Bewegung sein, Stille die Möglichkeit aller Dinge. Anatomie des Widerspruchs ist >Die Pyramide der Wut< in mir. Weshalb darf ich nicht glücklich sein? Hindert mein Denken mich daran? Ich bin vor einer Stunde aufgewacht, zwischenzeitlich klingelte das Telefon und ich reagierte nur aggressiv. Ich möchte ja freundlich sein, aber es will mir nicht gelingen. Meine Art mit Menschen umzugehen ist manchmal erschreckend. Sie sind hilflos mir gegenüber und verstehen nicht, worum es geht. Wie sollten sie auch. Ihre Bemühungen sind ehrlich, aber meine allgemeine Wut übertrage ich sofort und bin verletzend.

Ich bin ein Steppenwolf (oder gar der Steppenwolf von Hesse). Die meisten mögen mich als feinen, klugen und eigenartigen Menschen, und sind dann entsetzt und enttäuscht, wenn sie plötzlich den Wolf in mir entdecken.

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Der Anfang und das Ende aller Philosophie ist Freiheit. Nicht zu wissen, wie man handeln soll, oder nicht handeln können, das reißt einem die Eingeweide heraus. Ich möchte nicht blockiert werden von meinen psychosomatischen Störungen. Ich weiß, daß meinem Leben etwas fehlt, was ich nicht finden kann - und nicht weiß, was ich suche - und wo ich suchen könnte. Ich möchte Freiheit, weil Freiheit etwas Unendliches und Grenzenloses hat. Ich möchte die Freiheit und den Widerspruch, die Gegensätze, die einander befruchten und nicht zunichte machen. Ich möchte kein Strom ohne Ufer sein, und unkontrollierte Wassermassen in alle Richtungen über mich ergießen lassen. Ich stehe neben mir und sehe zu, wie mein Leben an mir vorübergleitet.

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(25.08.96)

Sehr geehrter Herr Dr. Droll,

 

ich erliege wieder einer völligen psychophysischen Erschöpfung. Es beunruhigt mich nicht sonderlich, da ich diesen Zustand schon seit frühester Kindheit kenne - und unbewußt einzuordnen weiß. Es macht mich dennoch fertig, weil ich nicht aktiv sein kann. Mein Verstand arbeitet isoliert vom Körper. Ohne Vorboten tritt diese Erschöpfung ein, läßt mich schwitzen, bringt mir Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, bis hin zur Bewegungslosigkeit. Alles spielt sich lautlos und scheinbar undramatisch ab. Ich leide sehr darunter. Schon als Kind habe ich mich in solchen Situationen in Schweigen gehüllt, mich in meinem Zimmer verkrochen und (wenn es der Zustand zuließ) viel gelesen. Beim Lesen, oder besser, wenn meine Augen nur noch auf die Schrift starrten, begann ich mit den Autoren zu reden, oder blieb träumerisch versunken in der Geschichte selbst.

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Ich weiß, daß meine grüblerische und schweigsame Seite mich nach außen kontaktschwach macht, bzw. die meisten damit nicht umgehen können und mich auch teilweise meiden. Meine sonderlingshaften Züge bringen mir wenig Verständnis von anderen. Aber ich kann - und will mich auch nicht anpassen, nur weil man mich anders haben möchte und es meinem Ich nicht entspricht. Ich bewahre mir meine Sensibilität, die der Welt verlorenging, da es ein Gut ist, welches ich leben lassen möchte - und nicht töten.

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Weiterhin fühle ich mich körperlich gepeinigt durch äußere Reize wie: Klingeln des Telefons und sonstige laute Geräusche jeder Art, oder gar nur durch Luftzug, weil meine Haut ebenso sensibel ist. Ich bin in kürzester Zeit, ja in Sekunden, dermaßen gereizt, daß ich diesen Zustand unerträglich finde und anfange aggressiv zu werden, zu brüllen und schwer zu beruhigen bin. Es kostet mich - und andere - sehr viel Kraft, mich wieder in einem relativ normalen Zustand zu bekommen. Unwiderruflich bleiben Narben im sozialem Gefüge zurück, welche in mir nicht nur Schuldgefühle für ein ganzes Leben hinterlassen können. Die besten Erklärungen helfen da auch nichts mehr, denn man kann ein Geschehen nicht ungeschehen machen.

 

 

>Mit den Augen im ewigen Frieden, mit dem Ohr im ewigen Krieg.

Schoppenhauer

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... Es kommt meist eine etwas dekadent wirkende Müdigkeit zustande, die sich auch mimisch ausprägt und auf den Betrachter oft, und zwar letztendlich und fälschlich den Eindruck des etwas Arroganten, Überheblichen vermittelt. Ich bin jedoch weder arrogant, noch überheblich, noch launisch. Mein Schweigen trägt oft die Färbung des Freudlosen, aber ich schweige nicht, weil ich keine Freude oder Anteilnahme empfinde, sondern, weil es mir wirklich oft schwerfällt zu reden.

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Was wäre ich ohne mein Leid? Oft bin ich sogar dankbar, daß ich dadurch schöpferisch sein kann. Nur aus dem Leid heraus wachsen mir Flügel, mit Schwingen, so weit, daß sie Schatten auf die Erde werfen und das Grün gedeiht anstatt verbrennt.

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Zitat von Arno Gruen:

Während jene als >verrückt< gelten, die den Verlust der menschlichen Werte in der realen Welt nicht mehr ertragen, wird denen >Normalität< bescheinigt, die sich von ihren menschlichen Wurzeln getrennt haben. Und diese sind es, denen wir die Macht anvertrauen und die wir über unser Leben und unsere Zukunft entscheiden lassen. Die erste Art des Wahnsinns gilt in unserer Zivilisation als >Realismus< und nur die zweite als >Krankheit<.

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Ich weiß, weshalb ich immer wieder schreibe, weil ich mit meiner Art des Ausdrucks gegen den Betrug der herrschenden Meinung ankämpfen will. Ich vertraue meiner eigenen Wahrnehmung und lasse mich nicht blenden und einschüchtern, bloß weil die heutige Realität mich verletzbar macht. Ich bin voller Widersprüche und fühle mich daher weit entfernt vom Selbstbewußtsein. Dennoch bin ich mir sicher, daß meine inneren Widersprüche eine eigene Dynamik entwickeln - und dies läßt mich die sein, die ich auch sein möchte, selbst wenn ich mich immer wieder gegen den Rest der Welt stelle. Daran habe ich auch erkannt, daß ich trotz meiner vielen Schwächen, die mir mein Leben oft unmöglich machen, trotzdem stark bin, denn ich lasse mich nicht unterkriegen und folge meiner inneren Stimme.

Ich habe mich immer dagegen gewehrt, >so zu sein wie man mich haben will<, um dafür geliebt zu werden.

Auf all diese Aktionen folgen natürlich auch Reaktionen, die nicht selten mit unerträglichen Schmerzen einhergehen. Ich habe gelernt, mit diesen Schmerzen zu leben, ohne daß sie mich taub machten, sondern einfach nur unendlich traurig und verzweifelt, und leider noch immer nicht verstehend, weshalb die meisten Menschen so sind. Aus diesem Nichtverstehen wurde anfangs ein Haßgefühl in mir erzeugt, mit Wunsch auf Rache. Später fing ich an zu vergeben, da mir immer mehr bewußt wurde, daß ich nicht leiden sollte darunter, sondern daß die anderen es nicht besser wissen und die eigentlichen Leidtragenden sind. Doch obwohl sie die Leidtragenden sind, sind sie dennoch nicht mit Schmerz erfüllt, da sie eben auch die Unwissenden sind.

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Brief an meinen Arzt

» (als mir ADD bescheinigt wurde) «

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Droll,

 

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Ich bin ein Hunter (Zum Thema: Menschen mit ADD als Außenseiter in unserer Gesellschaft)

Jetzt ist es also raus, ich habe ADD - und muß es wohl Zeit meines Lebens ertragen, wie sich meine Gedanken zu tausenden von Zahnrädern formatieren und ineinandergreifen bis sie quietschen oder knarren. Dieser Zahnradhochtourenapparat kommt erst -etwas- zur Ruhe, wenn ich mich bewußt ablenke, indem ich mich einer neuen mir interessanten Aufgabe widme. Es erfordert ein hohes Maß an Energie, Kraft und Überwindung, zumal ich (im Bewußtseinzustand dessen) mich, während einer schon vorhandenen körperlichen Erschöpfungsphase, in eine noch mehr kraftkostende Phase begebe, die meinen Körper bis zum Äußersten beutelt und angreift. Obwohl ich meist schon vor Erschöpfung schiele und mir die Stimme versagt (ich mache zwischendurch Sprachtests), mein Körper zittert und von Angstzuständen besessen, komme ich dennoch kaum zur Vernunft aufzuhören. Nicht selten ist das letzte Signal ein ernstzunehmender Zusammenbruch, daß ich es nicht einmal mehr schaffe mich zu entkleiden. Ich bete nur noch, das bitte nichts Schlimmes passiert, und verspreche, in Zukunft nicht mehr so zu übertreiben. Unzählige Versprechungen habe ich mir selbst und dem, was auf mich aufpaßt, gegeben.

Man kann, so glaube ich, nicht wirklich sagen, daß ADDler alles um sich vergessen, wenn sie bestimmten Sachen hinterherjagen. Irgendwo bleiben die anderen (vernünftigen) Gedanken - eine lange Zeit neben der neuen Aktion, um einen selbst zu warnen bzw. zu mahnen. Doch später übernimmt der innere Jäger die Oberhand und die letzten warnenden, mahnenden Gedanken sind ausgelöscht. Manchmal jedoch nicht für immer ..., sie kehren zeitweise zurück und werden mal blasser, oder sogar deutlicher. Es kommt auf die Wichtigkeit der Aktion und Situation an.

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Heute bin ich sehr früh aufgestanden. Mich plagten fürchterliche Träume und das Wissen, daß mein Hund bald sterben wird. Mich plagt die neue Erkenntnis. Ich bin also zu früher morgendlicher Stunde aufgestanden, ungeduscht in meine Sachen geschlüpft, den Hund an meiner Seite und raus in den Herbst. So spazierten wir beide durch die Stille - und ich sammelte Laub und Eicheln. Der Morgen war so bunt und warm, daß es wieder einmal schmerzte und dennoch der eigentliche Schmerz zu heilen begann. Ich fühlte regelrecht in Bildern, wie Wunden zusammenschmolzen und das Rot sich verwandelte. Meine Wunde nahm die Farbe eines besonders schönen Blattes in meiner Hand an, und ich fühlte Liebe zum Leben - zum neuen Leben. Daraus ergaben sich neue Ziele und eine noch nicht geborene Kraft, die aber alsbald geboren werden möchte. Jetzt liegt es wieder erneut an mir - und erneut tritt dann die mir bekannte Angst in Kraft, daß ich wieder versagen könnte.

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Wut über die Vergangenheit

 

Ich bin wütend über die Vergangenheit, weil ich so viele Dinge versäumt habe, oder besser, ich unfähig war mein Potential umzusetzen. Im Rückblick meiner nun 36 Jahre habe ich zwar einiges im Leben erreicht, aber was hätte ich nicht alles erreichen können, wenn es da nicht dieses ADD geben würde. Immer wieder die gleichen Fragen, vor allem die eine Frage: >Was wäre gewesen, wenn meine ADD schon als Kind erkannt worden wäre, meine Eltern nur etwas mehr Aufmerksamkeit dem geschenkt hätten, was meine frühen Depressionen, Zurückgezogenheit, Übermut, Stimmungsschwankungen, Schulprobleme, soziale Probleme, Bockigkeit, Aufsässigkeit und vor allem der Selbstmordgedanken, welche ich schrieb und aussprach etc. anging? Aber wie von den meisten Eltern, wurden diese Verhaltensweisen und Defizite als ganz normales Erscheinungsbild eines Kindes oder Jugendlichen gesehen. Jedes Kind hat eben seine Eigenarten und Unartigkeiten, wie Probleme in der Schule oder Umfeld.

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Zeitgeizheit

 

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Mir erscheint die Zeit wie Wildwasser. Ich sitze im Kanu und kämpfe mich durch die tobenden Wassermassen und kippe, bevor ich das Ziel erreiche, kraftlos aus dem schwankenden Boot. Manchmal erreiche ich aber das Ziel, bin erschöpft und fühle mich wunderbar frei und groß. Ich fühle, wie ich das reißende Wasser bekämpft habe, richte mich auf und bin voller Zuversicht.

 


Mißverständnisse

 

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Eine, nach ADDler eigene Reizfilterschwäche macht dies ganz sicherlich nicht einfach. Resultate der Vergangenheit zeigen, daß mangels Filter und Konzentration, hoher Ablenkbarkeit und übersteuerten Emotionen, ganz normale Aussagen anderer zum Verhängnis werden können bzw. wurden. Die Aufnahme erfolgt in einem eher verschleierten Zusammenhang, so daß man nicht immer in der Lage ist, richtig zu empfangen. Dadurch entstehen Mißverständnisse und leider wird man nach geraumer Zeit dementsprechend eingeordnet, was zum allgemeinen Schubladendenken führt und unwiderruflich scheint. Dem vorzubeugen bedarf es an Aufklärungsarbeit, damit sich zwei Gesprächspartner nicht in die Höhle des Löwen begeben. Weiß der Gesunde von den Defiziten des ADDlers, so ist es möglich, noch einmal, bei Beobachtung eines Mißverständnisses, nachzufragen. Daraufhin ist es dem ADDler wiederum möglich, sich zu besinnen, neu zu überdenken und dementsprechend darauf zu reagieren. Bei Wiederholungen von ähnlichen Situationen tritt der Effekt ein, daß eine Art Lernprozeß an Konzentration beginnt, wobei die Wiederholungen immer längere Abstände bekommen. In anderer Form nennt man das auch Coaching.

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Der Schulweg

 

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Allgemein: Ich reagiere höchst sensibel auf Lautstärke und plötzlichen Änderungen. Mit Änderungen meine ich, daß ein schneller Wechsel von Situationen mich völlig aus der Bahn werfen kann, so daß ich mich voller Schmerz fühle und kein klarer Gedanke greifbar scheint. Dieser Umstand kann mehrere Stunden anhalten und kostet sehr viel Kraft, so daß ich völlig erschöpft einschlafe oder stundenlang apathisch auf einen Punkt starre. In dieser für mich sogenannten Apathie bin ich wie im Trancezustand, welcher ganz nach Grad der Schwere (nach dem scheinbaren Erwachen), zwischen wahrnehmbaren Traum und nebliger Leere einhergeht.

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Arbeitsleben

 

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Aber ich habe nicht nur Arbeitsplätze wegen meiner Robin Hood-Tätigkeit verloren, sondern auch, weil ich oft nicht in der Lage war, zur Arbeit zu gehen, oder Anweisungen zu befolgen, wie den richtigen Ton Vorgesetzten gegenüber zu finden.

Ich bin ein Nachtmensch und komme schlecht aus dem Bett, wenn ich aus dem Bett bin, brauche ich Ewigkeiten, um aus dem Haus zu kommen. Bin ich hinzu noch depressiv, so geht rein gar nichts mehr. Aber wer versteht das schon und wie regelt man das allgemein? Einem Vorgesetzten zu wiedersprechen, oder das zu sagen, was man gerade denkt, ist wohl nicht so vorteilhaft. Manchmal wollte ich ja meine Klappe halten, weil es sich nicht lohnte, etwas zu sagen, aber bevor der Gedanke zuende gedacht, platzte es schon aus mir heraus und dem Vorgesetzten platzte der Kragen.

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Konzentration

 

Meine Konzentration muß ich mir wahrhaftig erarbeiten, erzwingen oder auch mit Gewalt abbrechen. Letzteres ist ebenso gefährlich wie sich nicht konzentrieren können. Ich kann mich nicht einfach so hinsetzen und arbeiten oder eine Sache beenden um Etwas anzugehen was dringlicher und wichtiger ist. Diese Beschreibung über Konzentration ist schwierig. Was ich auch angehe, ich gehe es wirklich gern an - aber: ich kann weder einen Anfang finden - noch ein Ende. Kompliziert was?

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Die Sonnenseiten

 

Die Sonnenseiten meines ADD sind, daß mein Mangel an Filter - alles intensiviert. Durch diese Intensivität, wird jeder Reiz so stark und groß wie ein Fels, daß ich zwar erdrückt werde und Schmerzen ertragen muß, aber wiederum auch das Licht und die Schattenspiele mit meinen Augen, Ohren, Mund und Herzen filtere. Für mich bedeutet es, daß ich mehr Möglichkeiten in Betracht ziehen kann, welche vom gesunden Menschen erst gar nicht wahrgenommen werden. Weder wahrgenommen, noch überhaupt sichtbar. Ich war mir schon als Kind bewußt, daß ich alles aus einem anderen Blickwinkel sehe als andere. Meine Betrachtungsweise und Wahrnehmung war intensiver, phantastischer, kreativer, spannender und farbiger. Traurig war ich nur, weil ich mich mit niemanden austauschen konnte und allein im sonnendurchflutetem Mohnblumenfeld stand. Betäubt die Sinne und doch so wach, daß es sehr weh tat, alle Reize und alle Ereignisse in mir nicht ausdrücken zu können - können zwar schon, aber ohne wirkliche Zuhörer, und vorallem Sehende. Ich war allein und einsam; ich bin allein und einsam. Dennoch möchte ich nicht nur darüber traurig sein, sondern erfreue mich wahrhaftig an das was in mir steckt. Ich erfreue mich aber nicht im Sinne von Glücklichsein, nein, an der Art und Weise, wie ich das Leben sehe. Das was ich sehe, so glaube ich, ist das wirkliche Leben. Weit weg von der Schattenseite der Hektik und dem Streß der modernen und meist oberflächlichen Welt. Ich ordne Farben Temperaturen zu, Temperaturen den Farben, kann bestimmte Erinnerungen durch Gerüche in Bilder verwandeln und leben lassen, ich höre in Bildern Musik und mache Musik zu Bilder, ganze Symphonien erklingen durch Betrachtung, ich werde traurig und schmerzerfüllt durch Schönheit. --- Die Sonnenseite der Schmerzen, welche ich diesbezüglich gern ertrage.

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Interessiert es jemanden?

 

Seit ich weiß ADD zu haben, bin ich in erster Linie versucht - meine Familie, Freunde und Bekannte darüber aufzuklären. Ich hatte nicht gedacht wie schwierig das ist.

Es ist mir vor der Kenntnisnahme ADD schon aufgefallen, daß es scheinbar unmöglich ist, einen Menschen von einem bestimmten Bild >Mensch< abzubringen, welches dieser sich von jemandem gemacht hat. Im Leben verändert man sich, ob durch verschiedene Lebenssituationen, Zeit der Reife, Ausbildung und Beruf, gesammelten Erfahrungen etc.

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Wenn ich mir ein Bild von jemanden mache und Defizite erkenne, selbst gegen meine Vorstellung gerichtete negative Verhaltensweisen, so habe ich die Möglichkeit den anderen zu befragen, oder ein Muß an Geduld, bis der andere sich eventuell erklärt. Mir steht es nicht zu zu urteilen, ohne vorher wenigstens den Versuch zu starten nach Grund und Ursache zu forschen, damit Mißverständnisse nicht als Fels bestehen bleiben.

Meiner Meinung nach (nach der ich lebe) kann ich jemanden nicht mögen, aber es steht mir dennoch keine Verurteilung, Klatsch und Tratsch sowie Verachtung zu. Jemanden nicht zu mögen beinhaltet - mir die Möglichkeit, mich mit diesen Menschen nicht zu umgeben.

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Psychogene Erkrankungen

 

Als ich Anfang Zwanzig war, begann eine schlimme Zeit für mich, weil mir in dieser Zeit zig psychogene Erkrankungen das Leben zur Hölle machten. Ich hatte in kurzen Abständen, mehrmals täglich, verschiedene Anzeichen und Anfälle. Ich litt unter Todesängsten, Atemnot, Schluckbeschwerden, Sprachstörungen, Zungentaubheit, Sehstörungen, Augenschmerzen, geschwollenen Lymphknoten, Taubheit in den Gliedern, Herzrasen, Schweißausbrüchen und dauerhaften Genickschmerzen. Außer Zungentaubheit und Sprachstörungen treten alle Symptome weiterhin auf, doch die Zeitabstände sind erheblich größer geworden. Eigenartig war, daß ich immer erst ab nachmittags diese Symptome bekam. Sicherlich, so nehme ich an, konnte ich zu späterer Stunde die Reize und Ereignisse des Tages nicht mehr bewältigen, zumal ich nie mein Denken abschalten kann, und ich somit körperlich fast immer erschöpft war und bin.

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Freundschaften

 

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Kein einfacher Mensch zu sein bedeutet nicht, Freunde nur auf kurze Zeit zu haben, oder Feinde auf lange Sicht. Ich bin für manch einen ein Exot, was auch Vorteile hat und mich Menschen näher bringt, die selbst etwas außergewöhnlich sind. Im übrigen fühle ich mich von außergewöhnlichen und aus der Norm an sich herausragenden Menschen sehr angezogen, weil sie mich zum Denken anregen, faszinieren, begeistern, fördern, inspirieren und mich oft auf bestimmte Art verstehen oder zumindest akzeptieren. Diese Menschengruppe bringt Bewegung ins Leben und schafft andere Lebensformen, welche ich notwendig finde, um alte verstaubte Instinkte wieder in unsere Zeit zu integrieren. Alte, nützliche, längst vergessene Werkzeuge der Sinne werden umgeformt und modernisiert, oder so zweckentfremdet, daß diese neue Zwecke erfüllen.

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1 Prozent macht 100

 

Aufgrund der Tatsache, daß ich mangels meiner Konzentration, Impulsivität, Ablenkbarkeit und alles oben beschriebene unter Kapitel >Was ist ADD (Kurzbeschreibung)<, meine Projekte nur teilweise zu Ende bringen kann und mein wahres Potential nicht immer umsetzen kann, bin ich dennoch froh, daß ich einen Teil meiner Begabungen zu Nutze mache. 1 Prozent macht eben 100, da ich mich 10x drehen muß für Gleiches, wo andere sich höchsten 2x drehen. 1 Prozent macht 100 eben auch, weil es uns ADDlern möglich ist, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Diese Sichtweise ist eine Art Überlebensform, welche aus dem Ursprung herrührt und wieder an Wichtigkeit gewinnt. Kein ADDler sollte sich fürchten, das zu sagen, was gesehen und empfunden wird. Wir sind ein Teil der Wiedergutmachung.

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Pyramide der Wut

 

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In mir ist noch immer und wahrscheinlich für immer die Pyramide der Wut, mein geliebtes nervendes Chaos, meine daraus vorhandene Kreativität und Salz auf der Zunge.

 


 

Die kleinen Zettel mit guten Vorsätzen an Papa

 

Aus meinem schlechten Gewissen heraus hatte ich einige Jahre, an jedem Heiligen Abend (oder gar zum Geburtstag meines Vaters) kleine handgeschriebene Zettel, mit neuen, aber doch immer wiederkehrenden alten Vorsätzen, meinem Vater zum Geschenk gemacht. Diese Zettel enthielten Versprechungen wie: ich werde ordentlicher, räume mein Zimmer und meine Schränke auf, werde den Hundenapf nicht mehr vergessen zu säubern, nicht vergessen den Müll raus zu bringen etc. Ich wollte meinem Vater zeigen, daß ich mich bemühen werde, durch weniger Vergeßlichkeit Ärger zu vermeiden. Ich hatte fest daran geglaubt, meinen Vorsätzen und Versprechungen gerecht zu werden, doch es gelang mir nur für sehr kurze Zeit und unter permanenter Angst und Anstrengungen. Bezüglich meines Versagens, mich an meine Versprechungen zu halten, sank mein Selbstvertrauen, und die Peinlichkeit dem Vater gegenüber stieg unermeßlich an. Immer wieder gab es ellenlange Aussprachen und Ärger, weil ich so schlampig in meinem Zimmer war, nicht lang und oft genug mit dem Hund draußen, vergaß den Müll raus zu tragen, meine Schulmappe chaotisch aussah, ..............

 

.......... Aus damaliger Sicht baute sich in mir übergroße Angst auf, weil ich wußte, daß ich nicht in der Lage war, meiner Vergeßlichkeit und Träumerei Herr zu werden. Angst, Wut, Trauer, Haß- und Rachegefühle, Reißaus-Vorstellungen und Außenseitersein breiteten sich in mir aus und wurden wesenhaft. Ich fühlte mich ungerecht behandelt, weil man meine Bemühungen nicht sah, mich als schlampig, ungezogen, bockig und undankbar hinstellte. Ich verlor jeden Glauben an Gerechtigkeit, fühlte mich innerlich zerrissen und verletzt, miß- und unverstanden. Ich war oft der Auslöser elterlicher Streitigkeiten, zog mir den Zorn und die Wut meiner Eltern zu, war immer auf der Hut, und bedacht weniger Fehler zu machen. Meist blieben all meine mir selbst gesetzten Vorsätze im Keim erstickt, woraus resultierte, daß ich eine Art Problemkind wurde.

 

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Unterschiede und deren Zusammenhänge

 

Aufmerksamkeitsdefizit (ADS/ADD/ADHD), Hyperkinetisches Syndrom und Teilleistungsstörungen sind miteinander verwandt, zeigen sich jedoch sehr unterschiedlich, wobei sich nicht immer jedes einzelne Symptom insgesamt findet.

 

Hyperkinetische Kernsymptome sind:

Bewegungsdrang, nahezu unerschöpflich

Überschießende Impulsivität

Verkürzte Ausdauer und Konzentration

 

Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS/ADD/ADHD) Kernsymptome sind:

Verkürzte Ausdauer und Konzentration

Normale Intelligenz

Lernschwierigkeiten

Lebhaftigkeit, aber keine übersteigerte Unruhe

Gelegentlich übersteigerte Impulsivität

Gute Eingliederung in der Gruppe

Hohe Kreativität, oft Führungsrolle

 

Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit und ohne Hyperkinetischem Syndrom >Begünstigende Umstände<:

Erzieherische Inkonsequenz

Reizüberflutung

Nichtkreatives Spielzeug

Unregelmäßiger Tagesablauf

Mangelnde Familienbindung

 

Teilleistungsstörungen sind:

Koordinations- und Gleichgewichtsstörung

Veränderte Spannung der Muskulatur (zu hohe oder zu niedrige besser: zu starke oder zu schwache Grundanspannung der Muskulatur)

Störung der Feinmotorik

Wahrnehmungsstörung, visuell und auditiv

Störung der sensorischen Integration

Lese-Rechtschreib-Schwäche

Rechenschwäche

 


 

Briefe an meine Eltern (Jugendjahre) (Originalauszüge)

 

 

Liebe Mutti, lieber Papa,

 

niemand merkt, daß ich mit meiner Welt nicht fertig werde. Jeder kritisiert mich und mein Tun und Lassen. Immer wird mir gesagt, ich sei eigenartig oder unnormal - aber woran das liegt, darüber macht sich keiner Gedanken. Ich habe manchmal das Gefühl, ganz allein zu sein. Erwartet von mir keine Erklärung - ich kann sie Euch nicht geben. Vielleicht passe ich nicht in diese Welt. Schenkt mir mehr Liebe, denn ich brauche sie -, ich schäme mich so sehr, Euch das sagen zu müssen. Solange ich denken kann - war ich immer unzufrieden. Ich möchte auch einmal Ruhe finden, finde aber nicht den richtigen Weg.

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Liebe Mutti, lieber Papa,

 

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... Wieder einmal quälten mich schreckliche Träume und ich erwachte schweißgebadet. ... Ich lasse mich einfach dahinschweben, täusche mir selbst den glücklichsten Menschen vor. - ... Ich höre meinen Herzschlag laut, bekomme kalte Hände, aber es vergeht - und ich spüre mich danach nicht mehr. - ... Wenn ich im Frühling, am frühen Morgen durch die Straßen laufe, habe ich manchmal den Geruch meiner Einschulung in der Nase. Es hört sich irre an, aber es ist wahr. So erging es mir zum Beispiel auch an dem Tag, als ich einen Tag nach meinem Geburtstag - vor dem Eingang meiner Arbeitsstelle stand. Ich stand davor, fühlte mich eigenartig leichtfüßig und wohl, machte eine halbe Umdrehung und lief ohne Ziel durch die Stadt. Mich zog es in eine Kirche, in der zufällig eine Führung stattfand. Man fragte mich, ob ich dazu gehöre - und ich sagte einfach "ja". Alle sahen mich an, aber keiner hatte mich verraten. Ach, war das schön. Ich fand alle Menschen so lieb und wünschte mir - es wäre immer so. Aber leider sind solche Empfindungen nur für den Augenblick. Irgendjemand rüttelt dich dann, und du fällst aus diesen Gefühlen wie ein schlafendes Kind ins kalte Wasser. - Ich bin so müde, aber ich kann nicht schlafen, weil mich tausend Empfindungen bewegen. Das Bett ist für mich keine Ruhestätte, alles arbeitet in mir. Ich bin auch so fürchterlich nervös. Irgendetwas wühlt in mir und kann nicht raus. Es ist zum verrückt werden. Ich habe ein >Hungergefühl< und könnte mir, wenn ich liege, ein Kissen unter dem Bauch legen. Ich möchte so gerne gehalten werden ... mir ist, als müßte ich mich übergeben. Alles dreht sich in Kopf und Magen. Wie lange kann ein Mensch soetwas aushalten? Wenn ich jetzt weinen würde, ginge es mir sicherlich besser. Glaubt nicht: "Wenn sie jetzt bei uns wäre ...", es würde mir bestimmt nicht besser gehen! Ich bin nicht unzufrieden mit mir und meinem Leben. Ich fühle mich nur so komisch, und das schon sehr lange. Wenn ich bei Euch bin, bin ich Eure Tochter, aber eben doch nicht die, die ich wirklich bin. Wir zusammen sind der Alltag - doch wer ist man wirklich? Jedes Wort sollte ein anderes sein, einen anderen Ton haben, etwas anderes aussagen. Es geht nicht! Jeder Laut ist mir zu laut, und wirkt auf mich wie eine unheimliche Masse. Ich lebe nur in meinen Zeilen, welche still und lieb sind, ich es bin ..., ... hier habt Ihr mich, hier! Am liebsten würde ich gar nicht reden wollen, nur schauen, verstehen und fühlen. Mein Schweigen ist kein Schweigen >gegen jemanden<. Es ist eine Art Verständigung - meine Verständigung. Glaubt Ihr ich bin unnormal? Bin ich krank? Ihr habt es gar nicht verdient, eine solch eigenartige Tochter zu haben. Ich weiß, daß jeder von Euch seinen Teil denkt, und Ihr zu keinem Ergebnis kommt. So ist nunmal der Mensch - ein für mich unheimliches Geschöpf. Man kann ihn nie ganz ergründen, er ist voller Geheimnisse, für mich furchtbar interessant und beängstigend. Wäre ich eine Schriftstellerin, würde ich mich vor mir selbst erschrecken und auch bewundern. Ich liebe Menschen - die es schaffen Bücher zu schreiben, ich bewundere sie, ja - ich beneide sie sogar sehr.

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Allgemeine Zeichen für ADD/ADHD/ADS sind:

>für Kinder und Erwachsene<

 

 
>ADDler haben eine mangelhafte Impulskontrolle. Besonders Kinder handeln mehr als andere überstürzt und ohne Überlegung.<

 

>In der Schule beginnen ADD/ADHD-Kinder mit der Lösung von Aufgaben, ohne sich vorher mit den notwendigen Anweisungen auseinandergesetzt zu haben, unterbrechen den Lehrer beim Unterricht und stören andere Kinder beim Arbeiten.<

 
>Kinder (gilt auch für Erwachsene) mit ADD scheinen im Alltag keine Frustrationstoleranz zu haben. Sie geben leicht auf, streben nach schneller Bedürfnisbefriedigung und werden ärgerlich, wenn andere sich nicht so verhalten wie sie es sich vorstellen oder Situationen sich nicht so entwickeln, wie sie es erwarten. Diese nicht ausreichende Selbstkontrolle führt bei Kindern dazu, daß sie als ungehorsam, böse oder nachlässig erscheinen.<

 
>Die Störung der Aufmerksamkeit zeigt sich in einer kurzen Aufmerksamkeits-spanne und einer hohen Ablenkbarkeit.<

 
>In Anforderungssituationen sind ADDler extrem ablenkbar und wenden sich jeder Störquelle zu, wobei sie Wesentliches und Unwesentliches nicht unterscheiden können.<

 
>ADDler können aber auch strukturiert arbeiten, wobei in Gruppensituationen sich dieses Bild jedoch plötzlich ändern kann und sie wirken dann impulsiv, wenig organisiert, unaufmerksam und scheinen keinen Blick für Gefahren und möglichen Folgen/Konsequenzen zu haben.<

 
>Vor allem bei Kindern in Hausaufgabensituationen wird von Eltern Konzen-trationsmangel beklagt. Es kommt zwischen Eltern und Kind oft zu heftigen Auseinandersetzungen.<

 
>Personen mit ADD beobachten ständig ihre Umgebung. Sie bemerken alles, was um sie herum passiert, insbesondere registrieren sie Veränderungen oder schnell wechselnde Dinge. Es ist oft unmöglich sich mit einem ADDler zu unterhalten, wenn z.B. ein Fernseher oder die Musikanlage läuft.<

 
>ADDler haben kurze, aber außergewöhnlich intensive Aufmerksamkeitsspannen. Merkwürdigerweise läßt sich diese Eigenart nicht in den üblichen Maßeinheiten Minuten oder Stunden definieren. Einige Aufgaben langweilen die ADD-Person bereits nach dreißig Sekunden, andere aber können ihre gespannte Aufmerksamkeit für Stunden, Tage oder sogar Monate aufrecht erhalten. Erwachsene ADDler haben oft Schwierigkeiten, eine Arbeitsstelle über längere Zeit zu halten, nicht etwa, weil sie fachlich unfähig sind, sondern eher weil sie sich so schnell langweilen.<

 
>Menschen mit ADD treffen bei Ablenkung spontan eine neue Entscheidung und setzen neue Prioritäten. Egal woran sie gerade arbeiten, jede, auch die wichtigste Angelegenheit, wird vergessen oder uninteressant, und sie widmen sich sofort anderen, für sie interessanteren Dingen zu. Hinterlassen wird ein Berg unerledigter Dinge.<

 
>ADDler haben ein verzerrtes Zeitgefühl. Die meisten Nicht-ADDler erleben die Zeit in einem ziemlich gleichmäßigen linearen Fluß. Dagegen haben ADD-Menschen ein übertriebenes Dringlichkeitsgefühl, wenn sie sich einer Aufgabe engagiert annehmen, und erleben unerträgliche Langeweile, wenn sie meinen, nichts zu tun zu haben. Dieses Gefühl der Langeweile führt häufig zum Mißbrauch wie z.B. Alkohol oder Drogen, die das Zeitempfinden verändern, während das "Zeitraffer"-Gefühl bei einem [interessanten] Projekt sie chronisch ungeduldig macht. Dieses elastische Zeitempfinden führt auch dazu, daß viele ADD-Erwachsene berichten, wie stark sie von emotionalen Höhen und Tiefen gebeutelt werden. Insbesondere die Tiefen erscheinen dabei, als wollten sie nie enden, und die Höhen werden oft nur als kurzes Auflodern empfunden.<

 
>ADDler sind schnell enttäuscht und ungeduldig. Sie sagen sofort was sie denken und können es nicht ertragen, wenn jemand stundenlange Erklärungen abgibt. Es ist für sie auch quälend jemanden zuzuhören der nicht sofort zur Sache kommt und ewig um ein Thema herumredet, weil dieser Mensch vielleicht nach vorsichtigen Formulierungen sucht, um einen anderen z.B. nicht zu verletzen mit seiner Aussage.<

 
>Die Symptome, die ADD insbesondere kennzeichnen, sind leichte Ablenkbarkeit, Impulsivität und manchmal, aber nicht immer, auch Hyperaktivität und Energieüberschuß. ADDler sind ständig in Bewegung. Sie sind faszinierende Persönlichkeiten, Abenteuerjäger, hochenergetische Macher und Pragmatiker, immer auf dem Sprung. Sie haben eine Menge Projekte gleichzeitig laufen und sind ständig hinter irgend etwas her. Sie sind nicht sehr entschlußfreudig, und es fällt ihnen schwer, eine Sache zu Ende zu machen. Sie sind mitunter ziemlichen Stimmungsschwankungen unterworfen und können vom einen auf den anderen Augenblick, ohne ersichtlichen Grund, von der höchsten Euphorie in die tiefste Depression abstürzen. Sie reagieren unter Umständen gereizt, ja sogar wütend, vor allem wenn man sie unterbricht oder wenn sie sich von einer Sache einer anderen Sache zuwenden müssen. Sie haben ein lückenhaftes Gedächtnis. Sie träumen häufig mit offenen Augen. Sie lieben Situationen, die sie aufputschen.<

 
>ADDler geraten schneller in Wut als andere. Sie können ihre Impulse nicht so gut zügeln. Ihnen fehlt die kleine Pause zwischen Impuls und Handeln, die die meisten Menschen befähigt, innezuhalten und nachzudenken. Eine Behandlung hilft dabei, aber sie führt nicht zu einer völligen Heilung.<

 
>Bei vielen Mädchen wird ADD nie erkannt. Sie werden statt dessen einfach für schüchtern, in sich gekehrt oder gar depressiv gehalten.<

 
>ADD funktioniert bei der Verschärfung von Lernproblemen nach demselben Prinzip wie Kurzsichtigkeit: Man kann nicht fokussieren, wie man müßte, folglich ist man nicht in der Lage, seine Begabungen voll auszuschöpfen.<

 
>Menschen mit ADD kriegen häufig die subtilen Winke und Botschaften nicht mit, die für das reibungslose Funktionieren des gesellschaftlichen Umgangs unerläßlich sind. Sie erwecken vielleicht den Eindruck, blasiert oder gleichgültig oder egozentrisch oder gar feindselig zu sein, während sie einfach nur verwirrt sind beziehungsweise nicht wissen, was um sie herum vorgeht. Mit zunehmender Verwirrung können sie in Wut geraten oder sich zurückziehen, und beide Reaktionen führen zu einer Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehung.<

 
>Dr. Zametkin vom National Institutes of Mental Health, wies nach, daß auf der Zellebene ein Unterschied zwischen Menschen mit ADD und Menschen ohne ADD bestand: Der Energieverbrauch der Gehirnzentren, die die Aufmerksamkeit, Affektivität und Impulskontrolle regulieren, ist bei der einen Gruppe ein anderer als bei der anderen. Die Studie erschien 1990 in einem der renommiertesten, nach strengsten Maßstäben herausgegebenen medizinischen Fachjournal, dem New England Journal of Medicine. Es gab zwar schon vorher Studien, die auf biologische Basis der ADD hindeuteten, die Untersuchung von Zametkin war jedoch die fundierteste und plausibelste. --- Seit der Veröffentlichung der beiden Studien von Zametkin sowie Hauser und Zametkin haben viele Forscher sich über ADD bei Erwachsenen zu interessieren begonnen, woran die anhaltende Aufbruchstimmung auf diesem Forschungsgebiet nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte. --- ... und wir stehen noch am Anfang unserer Erkenntnis, auf welch dramatische Weise die Behandlung der ADD wirken kann.<

 
>Menschen mit ADD brauchen eine äußere Ordnung mehr als andere. Sie brauchen soviel äußere Ordnung, weil es ihnen so an innerer Ordnung mangelt. Sie sind von dem furchterregenden Gedanken erfüllt, daß ihre Welt jeden Moment vom Einsturz bedroht sein könnte. Und sie haben nicht selten das Gefühl, sich am Rande einer Katastrophe zu befinden, als ob sie mit mehr Bällen jonglieren, als sie bewältigen können. Ihr Innenleben verlangt nach Bekräftigung, Wegweisungen und Orientierungshilfen. Sie brauchen die Hilfsmittel wenn es ihnen schlecht geht (Computer, Karteikarten, Ablagekästen, Terminkalender etc.), weil sie sich ohne sie vom Chaos überwältigt fühlen. Es ist der Grad, der ihr Bedürfnis nach Ordnung von dem normalen Bedürfnis anderer Menschen unterscheidet. Sie brauchen viel davon, und sie brauchen sie oft.<

 
>Erwachsenen mit ADD sind keine beruflichen Nieten, selbst wenn sie oft Phasen völliger Arbeitsunfähigkeit verzeichnen. Viele erfolgreiche Menschen haben diese Störung. Sie ist vor allem unter kreativen Menschen verbreitet - unter Künstlern, Schauspielern, Schriftstellern - unter Wissenschaftlern, Leuten, von denen in ihrem Beruf ein hohes Maß an Energie und Risikobereitschaft verlangt wird, sowie unter Freiberuflern.<

 
>ADD geht nicht wieder weg. Man kann sie nicht operativ entfernen. Wenn man sie als Erwachsener hat, behält man sie sein Leben lang.<

 
>Menschen, die wegen ADD in Behandlung sind, haben gewöhnlich immer noch mit den Problemen des Sich-Organisierens, der Impulsregulierung und der Ablenkbarkeit zu kämpfen. Mehr noch schlagen sie sich aber mit den Sekundärproblemen herum, die sich im Lauf der Jahre herausgebildet haben, in denen sie mit einer unerkannten ADD gelebt haben. Es sind Symptome wie zum Beispiel ein beschädigtes Selbstbild, ein geringes Selbstwertgefühl, Depressionen, Angst vor anderen Menschen, Selbstargwöhnung, Unzuverlässigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen und Wut über die Vergangenheit. Diese Wunden heilen nur sehr langsam.<

 
>Menschen mit ADD brauchen häufig jeden Tag eine gewisse «Abschaltzeit», um ihre Batterien wieder aufzuladen. Es ist besser, sich auf diese Zeit im voraus zu verständigen und sie freizuhalten, statt sich jedesmal, wenn es soweit ist, darüber von neuem zu streiten.<

 
>Viele Menschen mit ADD witschen einem weg wie Quecksilber. Im einen Moment hat man sie, und im nächsten sind sie auch schon wieder weg.<

 
>In Familien, in denen ein Kind (oder auch ein Erwachsener) ADD hat, entwickelt sich häufig das, was wir den Großen Kampf nennen. Das ADD-Kind schafft es nicht, seinen Pflichten nachzukommen, im Haushalt zu helfen, bei seinen Schulaufgaben zu bleiben, sich an die Ordnung des familiären Tageslaufs zu halten, morgens pünktlich aufzustehen, pünktlich das Haus zu verlassen, sein Zimmer in Ordnung zu halten, sich kooperativ am Familienleben zu beteiligen und sich generell zu Hause «einzufügen». Das führt zu immer mehr Beschränkungen von Seiten der Eltern mit immer strengeren Strafen und einem immer eingeschränkteren Freiraum für das Kind. Das wiederum verstärkt beim Kind Trotz, Widerstand und Entfremdung mit der Folge, daß die Eltern noch aufgebrachter sind über ein Verhalten, das sich ihnen als rein willensabhängig darstellt, keineswegs als die neurologische Störung ADD.<

 
>Unglücklicherweise werden die Hauptmerkmale der ADD - Ablenkbarkeit, Impulsivität und Energieüberschuß - so gewohnheitsmäßig mit Kindheit und Jugend in Verbindung gebracht, daß die Möglichkeit einer unterschwelligen neurologischen Ursache häufig gar nicht in Betracht gezogen wird.<

 
>.... die Worte, die für so viele Kinder und Erwachsene mit ADD die letzte Ausflucht sind: «Ich weiß es nicht».<

 
>Es gibt Kinder mit ADD die schon sehr früh depressiv sind und ihrem Leben ein Ende bereiten möchten, weil sie sich unverstanden fühlen, spüren das sie anders sind als andere und nicht verstehen, weshalb sie Lernschwierigkeiten haben, obwohl sie doch eigentlich alles wissen.<

 
>Viele Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit haben Störungen der Wahrnehmung: einige von ihnen lehnen Berührungen heftig ab. Manche Kinder mit ADD überspringen bestimmte Entwicklungsstufen. Ihnen fehlen daher für die Verarbeitung im Gehirn wichtige Erfahrungsdaten. Wenn ein Kind wenig Gelegenheit zur Entwicklung seiner Hautwahrnehmung hat, kann es später Berührungen, Kleidung o.ä. als unangenehm empfinden.<

 
>Aufmerksamkeitsgestörte Kinder haben viele Probleme: sie werden >normalen< Anforderungen nicht gerecht und bekommen diese in der Familie und im weiteren sozialen Umfeld deutlich zu spüren. Häufig wird ihnen - in Unkenntnis der Ursache für ihr Verhalten - unterstellt, daß sie unwillig, verstockt und bösartig sind, besonders, wenn bestimmte Aufgaben mal gelingen, dann mal wieder nicht. Daß sie sich bemühen, wird ihnen oft nicht geglaubt. In jedem Fall ernten sie häufig Kritik, Lob dafür selten oder gar nicht. Kein Wunder, daß ihr Selbstbild negativ wird.<

 
>Ohne rechtzeitige Hilfestellung verschärfen sich die Probleme der Jugend beim ADD-Erwachsenen: das Niveau seines Schulabschlusses liegt deutlich unter seiner intellektueller Kapazität, die Berufsbildung entspricht ebenfalls häufig nicht der eigentlichen Fähigkeit.<

 
>Kreativität wird über verschiedene Eigenschaften definiert, die sich allesamt bei ADD-Kindern und Erwachsenen wiederfinden. Experten vermuten daher auch einen Zusammenhang zwischen Kreativität und ADD.<

 
>Kreative Menschen sind wagemutig und stets bereit, sich auf ein unbekanntes Terrain zu begeben und Risiken einzugehen.<

 
>Menschen mit ADD gehen unkonventionelle Wege. Sie können Vorgänge aus anderen als den üblichen Blickwinkeln betrachten, ihre Assoziationsfähigkeit beflügelt sie. So bemerken sie Lösungen, die normalen Menschen zunächst nicht einsichtig sind.<

 
>Kreative Menschen suchen neue Lösungsmöglichkeiten und überwinden Hindernisse, sie "bauen aus Steinen, die man ihnen in den Weg legt, ein Haus". Bei Vorgängen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, können sie durch ihre unkonventionelle Sichtweise Zusammenhänge aufdecken.<

 
>Antisoziales Verhalten mit beispielsweise abrupt einsetzenden Wutausbrüchen bei ansonsten unauffälligen Menschen ist oft Ausdruck einer mangelnden Steuerungsfähigkeit.<

 
>Das Selbstvertrauen der meisten Betroffenen ist durch viele negative Erfahrungen nicht ausreichend stabil, oft verstehen sie ihre Versäumnisse selbst nicht. Je länger dieser Zustand andauert, desto weniger trauen sie sich auch selbst zu. Bei Jugendlichen sind dann Schul- und Lehrvertragsabbrüche angesagt, bei Erwachsenen Stellenwechsel und Arbeitslosigkeit. Die täglichen Kleinkriege, verbunden mit heftigen - den Außenstehenden überhaupt nicht einfühlbaren - Wutausbrüchen intensivieren das Gefühl wertlos zu sein, sehr häufig werden Selbstmordgedanken entwickelt.<

 
>Nach der Schul- und Lehrzeit kann es zu einer Beruhigung kommen, ein gewisses Sich-Verzetteln ist dann ein Restsymptom, das für den Betroffenen und die Umgebung mehr den Charakter einer lästigen Eigenart eines Menschen darstellt. Häufig gelingt es nicht, Termine einzuhalten oder sich selbst die Erfüllung bestimmter Aufgaben abzufordern.. Bei den Berufstätigen verstreichen Termine, die sogar existenzbedrohende finanzielle Folgen haben können, ohne das sich der Antrieb einstellt, endlich den geforderten Arbeitsbeitrag zu liefern. Diese Menschen können ein sehr harmonisches und ausgefülltes Leben führen, wenn es ihnen gelingt, einen Partner zu finden, der ihnen in zurückhaltender Weise den Weg weist, die Amerikaner verwenden das Wort Coaching, das ja heute in aller Munde ist, weil ein Sportler ohne guten Coach nichts werden kann.<

 
>Das Gefühl nur mit sich selbst beschäftigt zu sein, ihre innere Unordnung vor der Umgebung verbergen zu müssen, ist so intensiv, daß mit fortschreitendem Alter und zunehmenden Aufgaben diese Thematik fast das gesamte Denken bestimmt. Die äußere Unordnung fällt in Form von Bergen unerledigter Papiere auf.<

 
>Die Suche nach Anerkennung treibt sie zu ungewöhnlichen Leistungen, aber oft wird auch von einem Gefühl des Nebensichstehens berichtet, so daß eine tatsächliche Würdigung ihrer Leistung nicht von ihnen selbst wahrgenommen werden kann. Wie schon erwähnt, kommt wieder die Neigung zur extremer Selbstbetrachtung ins Spiel, die dazu führt, daß die eigene Einschätzung der Leistung, die meist negativ ist, im Vordergrund bleiben kann. Während sich andere Menschen an ihren Leistungen erfreuen können, bleiben den Betroffenen letzten Endes nur Selbstzweifel und eine Erschöpfungsreaktion. In diesem Fall wäre eine solche Depression nicht nur Ausdruck sinkender Hormonspiegel.<

 
>Unter den Perfektionisten beiderlei Geschlechts sind sicher eine Reihe Betroffener, die eine geradezu fanatische Ordnungsliebe entwickelt haben und damit in nicht unterschätzendem Ausmaß die Familie und die Freunde tyrannisieren. Sie sehnen sich nach strenger Ordnung, weil sonst für sie alles im Chaos versinkt. Die Schlafstörungen sind eher gekennzeichnet von häufigem Aufwachen als dem bei psychisch Kranken mit Depressionen bekannten Wachliegen und Zwang zum Grübeln.<

 


 

ADS - positive Eigenschaften erkennen und fördern:

>Kreativität wird über verschiedene Eigenschaften definiert, die sich allesamt bei ADS-Kindern und Erwachsenen wiederfinden. Experten vermuten daher auch einen Zusammenhang zwischen Kreativität und ADS.<

 

>Kreative Menschen sind wagemutig und stets bereit, sich auf ein unbekanntes Terrain zu begeben und Risiken einzugehen.<

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>Menschen mit ADS gehen unkonventionelle Wege. Sie können Vorgänge aus anderen als den üblichen Blickwinkeln betrachten, ihre Assoziationsfähigkeit beflügelt sie. So bemerken sie Lösungen, die normalen Menschen zunächst nicht einsichtig sind.<

 

>Kreative Menschen suchen neue Lösungsmöglichkeiten und überwinden Hindernisse, sie "bauen aus Steinen, die man ihnen in den Weg legt, ein Haus". Bei Vorgängen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, können sie durch ihre unkonventionelle Sichtweise Zusammenhänge aufdecken.<

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Stark sein ist längst nicht alles

 

Meine Phantasie, meine Verletzlichkeit, Schulschwächen und der Mangel an Lob und Anerkennung haben mich zwar zu einem in dieser Gesellschaft schwachen Menschen sein lassen, aber ich wußte es besser. Die meisten Menschen sehen gern traurige Filme, brechen in Tränen aus oder unterdrücken sie, weinen, wenn ihr Kind eingeschult wird etc. Hingegen sie draußen immer auf cool und überheblich machen.

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Was andere als Schwäche oder weichlich bezeichneten in unserer Gesellschaft, wurde mir zu einer Lebensaufgabe und angeborener Sensibilität, welche ich unter keinen Umständen aufgeben wollte und gab. Schade ist nur, daß ich nicht lernen konnte, mein wahres Ich auch wirklich immerzu zu behalten, da aus einem Schamgefühl und aus der Erziehung ein Wall entstanden ist, den ich nicht brechen kann. Somit wurde auch ich zu einer gespaltenen Persönlichkeit und lebe mit Mogelpackungen, welche nicht immer positiv ankommen und oft ein falsches Bild vermitteln. Jeder weiß, wie schwierig es ist, sich diesem falschen Bild zu entziehen und ein wahres Bild wesenhaft werden zu lassen. Welches Bild auch jemand von dir hat, so muß man auch mit dem entsprechenden Feedback rechnen und sich dem stellen. Diese Aufgabe übernimmt niemand für dich, da du allein verantwortlich bist wie du von anderen gesehen wirst. Sicherlich spielt das Empfinden und Denken des Gegenüber auch eine Rolle, aber in erster Linie ist es dein Werk, welches du fabrizierst.

Ich bin der Meinung, daß wir heute schon wieder einen Schritt zur Sensibilität gegangen sind und die Sensibilität wieder an Punkten gewinnt. Allein schon der Umgang mit der Natur und die Erhaltung unserer wahren Werte der Erde ist ein Zeichen, daß das Herz wieder Mitspracherecht bekommen hat. Stark sein ist eben längst nicht alles.

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Ergänzungen (III) - (Nachtrag vom 20.05.1999)

 

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Irgendwie ist mein Kopf zwar klarer geworden, aber dennoch erkenne ich diese Art von Klarheit nur aus sehr weiter und nebliger Entfernung. Wenn ich mich nicht auf eine bestimmte Tätigkeit direkt konzentriere, scheint es eine streifenfreie und völlig klare Sicht zu geben, welche sich andererseits nur schwer definieren läßt, da es nur das Sehen betrifft und nicht das Empfinden. Begebe ich mich bewußt in eine Konzentrationsphase, vielleicht nur um mich an etwas zu erinnern - was zur Erledigung einiger Dinge notwendig ist, sehe ich ganz entfernt durch eine Nebelwand >das< was wichtig ist, aber ich kann es nicht greifen und es ist, als würde meine Auge von diesem Etwas abrutschen und mit sofortiger Wirkung jeden Kontakt verlieren. Kontakt verlieren sinnbildlich: das die Erinnerung an das was gesehen wurde augenblicklich gelöscht wird mit dem Abgleiten des Blickes. Da meine Wahrnehmung meist (nicht immer) 100%tig funktioniert, ist dieses Gefühl des Nicht-halten-können ein ständiger Auslöser von innerer Unruhe, Wut, Gehetztheit, Streßempfinden durch permanente Anstrengung und ein Leben im Wandel von Nebel.

Ich habe urplötzlich eine neue Erkenntnis gewonnen, welche mich so sehr irritiert, daß ich erneut beginnen muß mich neu zu orientieren. Diese Erkenntnis setzt sich zusammen aus einem Lebensrückblick, der mir (und das leider auf wirklich noch nie dagewesene glasklare Sicht) zeigt, daß ich fast 38 Jahre meines Lebens im Nebel wandelte und seine Existenz nie wahrgenommen hatte. Dieses Gefühl macht mir Angst, weil ich glaube, daß ich nur für einen Moment ins Licht trete, danach wieder erneut in die Dunkelheit zurück muß.

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ENDE LESEPROBE




KAPITEL


Was ich vorab sagen möchte

Der Versuch

Was ist ADD? (Kurzbeschreibung)

Vorwort an unüblicher Stelle


Kurze Erklärung - für die immer wieder auftauchenden
verschiedenen Abkürzungen und deren Bedeutungen

Bericht von Dr. Droll (Berliner Psychiater und mein Arzt):
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Das Störungsbild

- Aufmerksamkeitsstörung

- Impulsivität

- Hyperaktivität


Epidemiologie

Praktischer Diagnoseablauf bei Erwachsenen

Behandlungsgrundsätze

Alles wie immer


Wiederkehr

Der Wettlauf und der Krieg in mir

Die Wut

Die Depression

Der Anker im Boot

Draußen ist es mir zu laut

Drinnen ist es mir zu laut

Stehaufmännchen

Auch vom Aussterben bedroht

Junge Wölfe

Briefe an meinen Arzt »(bevor ich von ADD wußte)«

Brief an meinen Arzt »(als mir ADD bescheinigt wurde)«

Wut über die Vergangenheit

Zeitgeizheit

Tagesplan / Organisation

Mißverständnisse

Traurigkeit als Kreativität

Der Schulweg

Der erste Glaube aus dem Gefühl des Nichtverstandenseins

Eßstörungen

Faulheit

Vergeßlichkeit

Arbeitsleben

Konzentration

Die Sonnenseiten

Interessiert es jemanden?

Mein großes Leiden unter dem Mangel an Lob und Anerkennung

Nur ein Blatt im Wind

UR-SPRUNG

Familien-(Harmonie)

Psychogene Erkrankungen

Elternhaus

Die kleinen Zettel mit guten Vorsätzen an Papa

Nur eine Träumerin

Freundschaften

1 Prozent macht 100

Pyramide der Wut

Zeugnisse

Zeugnis-Definition aus meiner ADD-Sicht

Allgemeine Zeichen für ADD/ADHD/ADS sind:

Hausaufgaben

Briefe an meine Eltern (Jugendjahre - Originalauszüge)

FÜR DICH

Ich bin anders (Kindheitserinnerung)

Der Glaube an mich selbst

Stark sein ist längst nicht alles

Medikament Ritalin/Medikinet (wenn ich es nehme)

Selbstbeschreibung (aus dem Jahr 1995)

o zu meiner person (1995)

• beschwerden (incl. nicht mehr vorkommende)

• meine welt dreht sich andersrum

• was ich mag

• was ich nicht mag

• allgemeines durcheinander

Noch nicht ganz geschafft >Nachtrag IV vom 02.10.2001<

Diese Kapitel erscheinen u.a. im nächsten Buch

Literaturhinweise (Richtlinien)

Literaturempfehlungen

>> Für ADD/ADHD/ADS bei Erwachsenen (nur englischsprachig):

>> Für ADD/ADHD/ADS/HKS bei Kindern und Erwachsenen:

>> Für ADD/ADHD/ADS in Verbindung mit Allergien:

>> Für Lernstörungen:

>> Bei Bewegungsungeschicklichkeit:

>> Für medizinisches Hintergrundwissen:

>> Begleiterscheinungen und Hintergründe:

Nützliche Adressen

Selbsthilfegruppen für ADD/ADHD/ADS:

Selbsthilfegruppen für Lernstörungen:

Internetadressen

Übernahme >Anhang< aus dem Buch «Zwanghaft zerstreut»

Dank

Nachwort

Ergänzungen (II) - (Nachtrag vom 20.05.1999)

Das Heute (Nachtrag III vom 26.09.01)


Diese Kapitel erscheinen u. a. im nächsten Buch

>Band 2 - Mein Leben mit ADD<

Schwäche in unserer Gesellschaft

Symbole setzen

Die Herausforderung

Klagen hilft nicht

Das Wiegenlied des Übersinnlichen

Ein langer Weg

Nicht nur Mißerfolge

1000 Projekte und eins gelingt doch

Weder hier noch da

Ich bin ein Hunter

Ein Hunter unter Farmern

Erfolgsverzeichnisse

Abschaltzeiten / Ich ziehe mich zurück

Du verstehst es ja doch nicht

Stürme des Seins

Der Kampf (Ich will es tun und habe es doch wieder vergessen)

Die Suche nach der Identität

Chaos pflastert mein Leben

Unerkannt geblieben

Mein Hund und ich

Nachtaktiv

Tagesblockaden

Trancezustände

Gedankenwahn

Realitätsbezug

Wahrnehmungen

Schulprobleme (und: Alle sind mir zu doof)

Die Schattenseite

Euphorie und Fall

Hin und her im Berufsleben

Was soll nur aus mir werden

Entscheidungsunfähigkeit

Der Schrei des Adlers

Schreiblust - Schreibfrust

Ohne das Du an mich glaubst - falle ich wie welkes Laub

Schulen und Arbeitsplätze für ADD-Betroffene

Geschwister

Resignation

Kurzsichtigkeit

Meine Art zu fokussieren

Medikamente

Der Wendekreis

Mein jetziges Leben mit ADD

Ich habe mich entschlossen

Süchtig nach ...

Einfluß auf die Sexualität

Sexualität (die andere Sicht)

Was hat sich geändert

Therapie ein Muß?

Was bringt die Therapie

Ich bleib wie ich bin und bin doch anders

Urlaub und Heimweh - warum?

Eine neue Chance

Partnerschaften

Weshalb ich mit Klamotten schlief

Immer ein gepackter Rucksack - Immer Angst mit Fluchtgedanken

Leon - der Profi für meine Seele

Meine neue Firma - und wie ich es heute schaffe

Arbeit als Fluchtform

Was Partner falsch machen

Früher Sex und das Warum

Fiktionen

Was Prinz und Bär so schafft



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ADS im Job. Wie Sie ADS für sich arbeiten lassen können.
ADS bei Erwachsenen. Betroffene berichten aus ihrem Leben.
Und Engel gibt es doch

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