Copyright © 1999 by
Liona L. Toussaint / ADDchaotic@aol.com
Alle
Rechte vorbehalten.
Ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung ist eine
Vervielfältigung oder Verbreitung nicht gestattet.
«I
felt a Cleaving in my Mind - as if my Brain had split»
(Ich
spürte ein Sich-Spalten in meinem Inneren - als wäre mein
Gehirn entzweigegangen)
Emily
Dickinson (1864)
Der Versuch
Dies ist mitunter ein Beginn meiner
Neuorientierung
Ich habe mich entschlossen, den Versuch zu
starten, dieses Buch zu schreiben, um mir und allen anderen ADDlern
jenen Blick zu verschaffen, der es uns möglich(er) macht, mit ADD
zu leben. Ich kann ab heute nur hoffen, daß dieses Projekt nicht
- wie zig andere meiner Projekte - im Ansatz steckenbleibt und die
Überschrift dieses Kapitels >Der Versuch<, nicht nur ein
Versuch bleibt, sondern eine Vollendung.
Meine Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung (ADD, von englisch attention deficit
disorder) stellt mich hiermit auf eine harte Probe erzwungender
Disziplin und Konzentration, wie hoher Anforderung, mich um mein
Vorhaben zu bemühen und dem mir unerträglichen Druck
standzuhalten.
weiter ..........
..........
Dieses Buch ist nicht nur für ADDler,
sondern auch für Menschen, die einen ADDler in ihrer Familie oder
in ihrem Bekanntenkreis haben. Ich hoffe sehr, daß ich mit meinem
Buch dazu beitragen kann >ein allgemeines Verständnis aufbauen
zu können<, damit wir ADDler endlich besser verstanden werden,
akzeptiert und als Ganzes in unserer Gesellschaft integriert. Wir
Betroffene wünschen uns das sehr, denn wir sind es leid
ausgegrenzt zu werden, sich unverstanden zu fühlen und nicht
selten sogar als Versager, dumm oder Träumer gesehen zu werden.
Ein genaues Wissen um die Krankheit ADD
>Attention Deficit Disorder< bzw. ADS
>Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom< trägt dazu bei, einander
besser zu verstehen und Mißverständnisse aus dem Weg
räumen zu können, welche einen starken negativen
Einfluß auf ADD haben, wodurch ADD nur verschlimmert wird und
daraus resultiert, daß wir ADDler, und Menschen ohne ADD die mit
uns leben und arbeiten, >im ewigen Konflikt miteinander stehen<.
Durch Aufklärung und Verständnis wird es uns vielleicht bald
ermöglicht - selbst mit gewissen Defiziten - ein normales Leben
führen zu können.
..........
Was ist ADD? (Kurzbeschreibung)
ADD (Attention Deficit Disorder), oder ADHD
(Attention Deficit Hyperactivity Disorder), oder ADS (Aufmerksamkeits
Defizit Syndrom) mit und ohne Hyperaktivität und
Sozialstörung, ist eine Aufmerksamkeitsstörung, ein ererbtes
neurologisches Syndrom, charakterisiert durch leichte Ablenkbarkeit,
einer kurzen - aber auch einer außerordentlich intensiven
Aufmerksamkeitsspanne, verkürzter Ausdauer und Konzentration,
übersteigerter Impulsivität, verzerrtem Zeitgefühl,
aggressiven Verhaltensweisen, Hyperaktivität oder
Hypoaktivität, Depression, vermehrte Reizbarkeit,
Frustrationsintoleranz, einer niedrigen Toleranz für Langeweile,
einer überdurchschnittlichen Neigung, zu sagen oder zu tun, was
einem gerade einfällt und hoher Kreativität. Nicht selten
wird ADD auch von einer Leistungs- oder Teilleistungsschwäche
begleitet.
ADD ist nicht einheitlich und einzelne
Symptome variieren individuell, wodurch ein Festlegen des
Krankheitsbildes nicht möglich ist. ADD-Symptome findet man in
jedem Menschen, und nur die >Dauer< und >Heftigkeit< der
Symptome kennzeichnen das Krankheitsbild. Nicht alle genannten Symptome
(und es wurden nur die auffälligsten Symptome aufgezählt)
müssen nebeneinander bestehen und ebensowenig müssen nicht
alle Symptome gleich stark ausgeprägt sein.
Um ADD einem gesunden Menschen
verständlich zu machen und um es zu erkennen, bedarf es der
Aufzählung von Fallbeispielen, da ADD zu komplex und
widersprüchlich ist. >Auffällig ist, was anders ist<,
und ADDler sind eine ganz andersartige Persönlichkeit. Wir sind
die Jäger (Hunter) in einer Gesellschaft von Farmern (wie es Thom
Hartmann in seinem Buch "Eine andere Art die Welt zu sehen") so
schön beschreibt.
Ein wesentliches Symptom des ADD ist die
Störung der Aufmerksamkeit, die sich auf unterschiedliche Weise
bemerkbar macht. ADDler können nicht lange bei einer Sache
bleiben, obwohl eine grundlegende Fähigkeit an Konzentration
durchaus möglich ist, sie sich aber nicht auf alle Bereiche
übertragen läßt und von verschiedenen Faktoren
abhängt. Die meisten ADDler können manchmal sogar
hyperfokussieren. Da ADDler immer alle Antennen auf Empfang haben,
bekommen sie alle Umgebungsreize gleichstark mit und können
irrelevante Faktoren nicht ausblenden. Man nennt dies auch
>Reizfilterschwäche<.
ADDler werden oft als Träumer und
Versager hingestellt, als Menschen, die nicht zuhören können,
andauernd abschweifen, schnell Wutausbrüche ohne ersichtlichen
Grund bekommen, sich scheinbar nicht genug bemühen, sich eben in
vielen Lebenssituationen unpassend benehmen. Sie sind nicht sehr
entschlußfreudig, immer auf dem Sprung, haben mehrere Projekte
gleichzeitig laufen, bringen selten eine Sache zu Ende, sind
ständigen Stimmungsschwankungen unterworfen, reagieren meist
gereizt oder gar wütend, haben ein lückenhaftes
Gedächtnis, und sie können von einer Euphorie - innerhalb von
Sekunden - in eine tiefe Depression fallen.
Obwohl ein ADDler mit seinen Problemen in
dieser Gesellschaft täglich Kämpfe austragen muß,
bringt ADD auch einige Vorteile, welche nicht ungenannt bleiben
sollten. Energieüberfluß, Intuition, Kreativität und
Begeisterungsfähigkeit machen einen ADDler
außergewöhnlich und zu einer besonderen Persönlichkeit.
..........
Vorwort an unüblicher Stelle
Manchmal glaubt man, daß der Schatten
nie vorüberzieht und sieht verzweifelt nach oben, wo graue Wolken
sich nicht aufzureißen scheinen. In der Ferne der blaue Himmel
und die gelbe warme Sonne, darunter das bunte Kleid des Lebens und die
Schönheit der Stadt in der wir leben. Müde und traurig der
Schritt, Gedanken flatterhaft und einfach nicht zu greifen; im Innern
der Schmerz der Fülle, der uns zeigt, daß es da drinnen
soviel gibt zu geben - aber wie. Und dann noch die unzähligen
Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Willst/wollen DU/SIE Antworten
finden?, so hilft dieses Buch vielleicht.
Ich war über 20 Jahre auf der Suche was
ich nicht finden konnte, weil ich nicht wußte wo ich suchen
sollte - um zu finden. Eine Pyramide der Wut manifestierte sich und ein
steiniger Weg brachte mich oft zu Fall. Aber ich stand immer wieder
auf, und was viel wichtiger war, ich blieb in mir.
Jetzt habe ich viele Antworten für mich,
für Dich, für Sie - und die graue Wolkendecke reißt
sich auch für mich hin und wieder auf, nicht immer, aber
vielleicht immer und immer öfter.
..........
Kurze Erklärung - für die
immer wieder auftauchenden
verschiedenen
Abkürzungen und deren Bedeutungen
>ADS< (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) ist eine von mehreren Bezeichnungen, die von
den Fachautoren für die gleiche Problemgruppe verwendet wird.
In Deutschland hat sich
vor allem der Name >HKS< (Hyperkinetisches Syndrom) eingebürgert, der jedoch recht
irreführend die motorische Unruhe in den Mittelpunkt des
Krankheitsbildes stellt.
Folgende weitere
Begriffe werden in der internationalen Fachliteratur ebenfalls
verwendet:
ADD: Attention Deficit Disorder
MCD: Minimale cerebrale Dysfunktion
MBD: Minimal Brain Dysfunction / Damage
POS: Psycho-organisches Syndrom (Schweiz)
ADHD:
Attention Deficit Hyperactivity Disorder mit und ohne
Hyperaktivität und
Sozialstörung gilt in den USA und international als korrekte
Bezeichnung.
Alle Namen umfassen allerdings nur Teilaspekte
der Störung und sind daher nicht identisch, aber sie
überschneiden sich in großen Bereichen.
Bericht von Dr. Droll (Berliner Psychiater
und mein Arzt):
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
• Das
Störungsbild
Die
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung wird im
internationalen Schrifttum als Attention Deficit Hyperactivity Disorder
(ADHD) bezeichnet. Teilweise wird auch die kürzere Bezeichnung
Attention Deficit Disorder (ADD) verwendet, die aber den gleichen
Störungskomplex meint. Man versteht hierunter wesentliche
Funktionsbeeinträchtigungen in drei Bereichen:
..........
Epidemiologie
Eine Reihe von Untersuchungen hat die
Unabhängigkeit des Auftretens dieser Störung von kulturellen
Bedingungen belegt. Die Häufigkeit liegt im Mittel aller Studien
bei ca. 5% im Kindes- und Jugendalter, wobei unter Betonung des
Hyperaktivitätskriteriums deutlich mehr Jungen als Mädchen
betroffen erscheinen. Man kann davon ausgehen, daß mindestens ein
Drittel der betroffenen Kinder auch im Erwachsenenalter noch
wesentliche Beeinträchtigungen durch ihr Störungsbild hat.
..........
Die ADS ist eine komplizierte Störung,
die nicht einfach in die üblichen diagnostischen Schubladen
paßt. Wir bekommen ein einseitiges und überaus vereinfachtes
Bild von Problemen, die Leute mit ADS haben, wenn wir die ADS mit den
drei üblichen klassischen Symptomen, nämlich
Hyperaktivität, Impulsivität und Aufmerksamkeit beschreiben.
Viel zuviel von der vorhandenen Literatur stammt aus der Feder von
ADS-Experten, die diese Störung von außen beobachten. Eine
solche Sichtweise erfaßt nur einen Teil der Geschichte. Die ADS
ist nämlich ein ganz subtiles Handicap, dessen Auswirkungen wir
gerade erst zu verstehen beginnen.
..........
Die ADS sieht sogar bei ein und derselben
Person zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich aus.
Die Auswirkung der ADS auf das Leben der
Betroffenen
• Desorganisation
• starke emotionale Reaktionen
• Leistung unter seinem Potential
• ein geringes Selbstwertgefühl
• Beeinträchtigung von Beziehungen
• Depressionen
Leute mit ADS haben beim Herausfiltern nicht
benötigter Informationen Schwierigkeiten. Nicht Betroffene blenden
ganz automatisch, mühelos und ohne Denkanstrengung nicht relevante
interne und externe Störquellen aus. Personen mit ADS handeln bei
>weit geöffneten Toren<. Da sie Störendes nicht
ausfiltern können, fühlen sie sich leicht überflutet,
bombardiert, angegriffen und überrumpelt.
Daher ist es durchaus verständlich,
daß solche Leute emotional sehr heftig reagieren können. Man
kann auch leicht nachvollziehen, daß die ständig auf
wechselnde Ziele gerichtete Aufmerksamkeit zu ernsthafter
Desorganisation führen kann.
..........
Wiederkehr
Seit Tagen bin ich wieder der Unfähigkeit
verfallen und leide. Mein Leid >Nichts< auf Papier bringen zu
können, keinen Schritt vor den anderen zu setzen, um auch nur den
Anfang zu finden, mich an den Computer zu setzen um zu schreiben. Jeder
Gedanke gehört diesem Buch und anderen neuen Projekten, ob unter
der Dusche, beim Lesen, in einer Unterhaltung etc. Es tut weh und die
Schmerzen der Unfähigkeit sind unbeschreiblich. Ich schreibe in
meinem Hirn und finde den Ausdruck, welchen ich nicht vermag wenigstens
auf mein Diktiergerät zu sprechen. Mit allerletzter Kraft und dem
Wissen, daß sich meine Gedanken in Luft auflösen werden,
wenn ich sie nicht sofort schriftlich festhalte, starte ich den
Versuch, wenigstens einen Teil davon in groben Stichpunkten auf einen
Fetzen Papier zu kritzeln. In meiner Hand der Stift und vor mir liegend
das leere Blatt - nicht selten weiß und kühl bleibend.
..........
Die letzten Tage waren mal wieder die
Hölle und ich wollte, wie so oft, alles hinschmeißen. Jetzt
saß ich Stunden vor dem Computer (weil ich mir vorgenommen hatte
zu arbeiten), doch alles was ich tat war: mich ablenken lassen und von
einem Programm zum andereren wandern. Ein ständiger Druck im
Nacken, meine innere Stimme, die mir sagte: >Nun fang endlich
an<!, aber es passierte nichts. Dieser Zustand ist unerträglich
und läßt mein Selbstwertgefühl, welches eh kaum noch
vorhanden, auf den Nullpunkt sinken.
Ich verschiebe, wo es nur zu verschieben geht,
bis aufs Äußerste. >Manche Dinge bleiben unbearbeitet
liegen, bis sie sich von selbst erledigen.< Mit jeder
Verzögerung baut sich ein Feld von Zweifeln und Panikattacken auf.
Panik vor der Zukunft, weil ohne Einsatz und Organisation keine
Existenzgrundlage geschaffen werden kann bzw. erhalten bleibt. Wie kann
ich leben, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, welche mich in
Selbstzweifel und ohne Selbstwertgefühl wiegt, womit ich wieder
und wieder zum Resultat des Versagers gelange, obwohl ich kein Versager
bin.
..........
Die Wut
Die Wut, welche immer präsent scheint und
explosionsartig ohne definierbaren Grund ausbrechen kann, ist eine
meiner schlimmsten Feinde. Sie beeinträchtigt mein Leben, und ich
komme mir vor auf einer Vulkan-Insel zu leben. Niemand weiß, wann
der Vulkan ausbricht und welche Folgen er hat. Diese unkontrollierbare
Wut kommt sozusagen aus dem Nichts und beherrscht die momentane
Situation so stark, daß es keine Möglichkeit gibt, ihr aus
eigener Kraft zu entrinnen. Vielmehr bin / wäre ich dann einem
verständnisvollen Menschen ausgesetzt, welcher wiederum die Kraft
besitzen muß, diese Ausbrüche der Wut nicht auf sich zu
beziehen und sanft gegenzuwirken. Nur der aufgeklärte Mensch
über ADD ist in der Lage, eine Folge der Wut von unnötigen
und sinnlosen Auseinandersetzungen umzuwandeln. Deshalb liegt es mir
besonders am Herzen, für mich und andere Betroffene, dieses Buch
zu schreiben und somit Aufklärungsarbeit zu leisten.
..........
Die Depression
Die Depression ist ein weiterer schlimmer
Feind. Sie tritt genauso unvorhersehbar ein und leistet den
größten Beitrag, mein Leben nicht organisieren zu
können. Sie kommt und geht in kurzen Abständen, und kann aber
auch sehr anhaltend sein und zur völligen Unfähigkeit
führen. Obwohl sich meine Depression ankündigt, ich ihr durch
diese Ankündigung entgegenwirken könnte, kann ich es nicht.
Es ist, als würde ich am Strand sitzen und aufs Meer blicken. Ich
sehe einen Menschen ertrinken (mich) und schaffe es nicht, ins Wasser
zu springen, um diesen Ertrinkenden zu retten. Ich sehe zu, bin wie
gelähmt, erkenne die Not und lasse es dennoch zu. Danach Stille.
Der Leichnam schwimmt auf der Oberfläche, das Wasser glitzert im
Sonnenlicht, und ein Gemisch von Frieden und Grausamkeit erbricht sich.
Der Anker im Boot
Ich schwimme von einem Projekt zum anderem und
werfe keine Anker, um zu bleiben. Ich kann diese Anker nicht werfen,
weil nichts so hundertprozentig ist, daß es sich lohnt, bleiben
zu wollen. Lieber schwimme ich weiter, in der Hoffnung, einen besseren
Ankerplatz zu finden. Und so sitze ich in meinem Boot, treibe immer
weiter hinaus und erkenne keine Ufer mehr.
Briefe an meinen Arzt
» (bevor ich von ADD wußte)
«
(23.08.96)
Sehr geehrter Herr Dr. Droll,
... Heute drehten sich all meine Gedanken
darum, mein Leben beenden zu wollen. Ich kann diesen Schmerz nicht
ertragen, fühle mich wie eine Seifenblase, in die sich ein
Strohhalm bohrt. Meine innere Leere, die doch bedeutet: Platz für
>Neues< zu haben, ängstigt mich. Dennoch fühle ich auch
eine Veränderung, die Leben bedeutet.
..........
Ein Gefühl von Leere breitet sich in mir
aus. Nichts zu spüren ist wie ein Stillstand des Herzens. Kein
Blut wird mehr durch meine blaßblauen Adern gepumpt, meine Atmung
setzt aus. Ich bin wie ein Roboter und setze einen Fuß vor den
anderen, wie ferngesteuert.
..........
Ich hasse Oberflächlichkeit - und gerade
diese umgibt mich unaufhörlich. Ich liebe die Tiefe und
Kreativität. Leben soll Bewegung sein, Stille die Möglichkeit
aller Dinge. Anatomie des Widerspruchs ist >Die Pyramide der Wut<
in mir. Weshalb darf ich nicht glücklich sein? Hindert mein Denken
mich daran? Ich bin vor einer Stunde aufgewacht, zwischenzeitlich
klingelte das Telefon und ich reagierte nur aggressiv. Ich möchte
ja freundlich sein, aber es will mir nicht gelingen. Meine Art mit
Menschen umzugehen ist manchmal erschreckend. Sie sind hilflos mir
gegenüber und verstehen nicht, worum es geht. Wie sollten sie
auch. Ihre Bemühungen sind ehrlich, aber meine allgemeine Wut
übertrage ich sofort und bin verletzend.
Ich bin ein Steppenwolf (oder gar der
Steppenwolf von Hesse). Die meisten mögen mich als feinen, klugen
und eigenartigen Menschen, und sind dann entsetzt und enttäuscht,
wenn sie plötzlich den Wolf in mir entdecken.
..........
Der Anfang und das Ende aller Philosophie ist
Freiheit. Nicht zu wissen, wie man handeln soll, oder nicht handeln
können, das reißt einem die Eingeweide heraus. Ich
möchte nicht blockiert werden von meinen psychosomatischen
Störungen. Ich weiß, daß meinem Leben etwas fehlt, was
ich nicht finden kann - und nicht weiß, was ich suche - und wo
ich suchen könnte. Ich möchte Freiheit, weil Freiheit etwas
Unendliches und Grenzenloses hat. Ich möchte die Freiheit und den
Widerspruch, die Gegensätze, die einander befruchten und nicht
zunichte machen. Ich möchte kein Strom ohne Ufer sein, und
unkontrollierte Wassermassen in alle Richtungen über mich
ergießen lassen. Ich stehe neben mir und sehe zu, wie mein Leben
an mir vorübergleitet.
..........
(25.08.96)
Sehr geehrter Herr Dr. Droll,
ich erliege wieder einer völligen
psychophysischen Erschöpfung. Es beunruhigt mich nicht sonderlich,
da ich diesen Zustand schon seit frühester Kindheit kenne - und
unbewußt einzuordnen weiß. Es macht mich dennoch fertig,
weil ich nicht aktiv sein kann. Mein Verstand arbeitet isoliert vom
Körper. Ohne Vorboten tritt diese Erschöpfung ein,
läßt mich schwitzen, bringt mir Kopfschmerzen,
Schlafstörungen, Leistungs- und Konzentrationsschwäche,
Müdigkeit, bis hin zur Bewegungslosigkeit. Alles spielt sich
lautlos und scheinbar undramatisch ab. Ich leide sehr darunter. Schon
als Kind habe ich mich in solchen Situationen in Schweigen
gehüllt, mich in meinem Zimmer verkrochen und (wenn es der Zustand
zuließ) viel gelesen. Beim Lesen, oder besser, wenn meine Augen
nur noch auf die Schrift starrten, begann ich mit den Autoren zu reden,
oder blieb träumerisch versunken in der Geschichte selbst.
..........
Ich weiß, daß meine
grüblerische und schweigsame Seite mich nach außen
kontaktschwach macht, bzw. die meisten damit nicht umgehen können
und mich auch teilweise meiden. Meine sonderlingshaften Züge
bringen mir wenig Verständnis von anderen. Aber ich kann - und
will mich auch nicht anpassen, nur weil man mich anders haben
möchte und es meinem Ich nicht entspricht. Ich bewahre mir meine
Sensibilität, die der Welt verlorenging, da es ein Gut ist,
welches ich leben lassen möchte - und nicht töten.
..........
Weiterhin fühle ich mich körperlich
gepeinigt durch äußere Reize wie: Klingeln des Telefons und
sonstige laute Geräusche jeder Art, oder gar nur durch Luftzug,
weil meine Haut ebenso sensibel ist. Ich bin in kürzester Zeit, ja
in Sekunden, dermaßen gereizt, daß ich diesen Zustand
unerträglich finde und anfange aggressiv zu werden, zu
brüllen und schwer zu beruhigen bin. Es kostet mich - und andere -
sehr viel Kraft, mich wieder in einem relativ normalen Zustand zu
bekommen. Unwiderruflich bleiben Narben im sozialem Gefüge
zurück, welche in mir nicht nur Schuldgefühle für ein
ganzes Leben hinterlassen können. Die besten Erklärungen
helfen da auch nichts mehr, denn man kann ein Geschehen nicht
ungeschehen machen.
>Mit den
Augen im ewigen Frieden, mit dem Ohr im ewigen Krieg.
Schoppenhauer
..........
... Es kommt meist eine etwas dekadent
wirkende Müdigkeit zustande, die sich auch mimisch ausprägt
und auf den Betrachter oft, und zwar letztendlich und fälschlich
den Eindruck des etwas Arroganten, Überheblichen vermittelt. Ich
bin jedoch weder arrogant, noch überheblich, noch launisch. Mein
Schweigen trägt oft die Färbung des Freudlosen, aber ich
schweige nicht, weil ich keine Freude oder Anteilnahme empfinde,
sondern, weil es mir wirklich oft schwerfällt zu reden.
..........
Was wäre ich ohne mein Leid? Oft bin ich
sogar dankbar, daß ich dadurch schöpferisch sein kann. Nur
aus dem Leid heraus wachsen mir Flügel, mit Schwingen, so weit,
daß sie Schatten auf die Erde werfen und das Grün gedeiht
anstatt verbrennt.
..........
Zitat von Arno Gruen:
Während jene als >verrückt<
gelten, die den Verlust der menschlichen Werte in der realen Welt nicht
mehr ertragen, wird denen >Normalität< bescheinigt, die sich
von ihren menschlichen Wurzeln getrennt haben. Und diese sind es, denen
wir die Macht anvertrauen und die wir über unser Leben und unsere
Zukunft entscheiden lassen. Die erste Art des Wahnsinns gilt in unserer
Zivilisation als >Realismus< und nur die zweite als
>Krankheit<.
..........
Ich weiß, weshalb ich immer wieder
schreibe, weil ich mit meiner Art des Ausdrucks gegen den Betrug der
herrschenden Meinung ankämpfen will. Ich vertraue meiner eigenen
Wahrnehmung und lasse mich nicht blenden und einschüchtern,
bloß weil die heutige Realität mich verletzbar macht. Ich
bin voller Widersprüche und fühle mich daher weit entfernt
vom Selbstbewußtsein. Dennoch bin ich mir sicher, daß meine
inneren Widersprüche eine eigene Dynamik entwickeln - und dies
läßt mich die sein, die ich auch sein möchte, selbst
wenn ich mich immer wieder gegen den Rest der Welt stelle. Daran habe
ich auch erkannt, daß ich trotz meiner vielen Schwächen, die
mir mein Leben oft unmöglich machen, trotzdem stark bin, denn ich
lasse mich nicht unterkriegen und folge meiner inneren Stimme.
Ich habe mich immer dagegen gewehrt, >so zu
sein wie man mich haben will<, um dafür geliebt zu werden.
Auf all diese Aktionen folgen natürlich
auch Reaktionen, die nicht selten mit unerträglichen Schmerzen
einhergehen. Ich habe gelernt, mit diesen Schmerzen zu leben, ohne
daß sie mich taub machten, sondern einfach nur unendlich traurig
und verzweifelt, und leider noch immer nicht verstehend, weshalb die
meisten Menschen so sind. Aus diesem Nichtverstehen wurde anfangs ein
Haßgefühl in mir erzeugt, mit Wunsch auf Rache. Später
fing ich an zu vergeben, da mir immer mehr bewußt wurde,
daß ich nicht leiden sollte darunter, sondern daß die
anderen es nicht besser wissen und die eigentlichen Leidtragenden sind.
Doch obwohl sie die Leidtragenden sind, sind sie dennoch nicht mit
Schmerz erfüllt, da sie eben auch die Unwissenden sind.
..........
Brief an meinen Arzt
» (als mir ADD bescheinigt wurde)
«
Sehr geehrter Herr Dr. Droll,
..........
Ich bin ein Hunter (Zum Thema: Menschen mit
ADD als Außenseiter in unserer Gesellschaft)
Jetzt ist es also raus, ich habe ADD - und
muß es wohl Zeit meines Lebens ertragen, wie sich meine Gedanken
zu tausenden von Zahnrädern formatieren und ineinandergreifen bis
sie quietschen oder knarren. Dieser Zahnradhochtourenapparat kommt erst
-etwas- zur Ruhe, wenn ich mich bewußt ablenke, indem ich mich
einer neuen mir interessanten Aufgabe widme. Es erfordert ein hohes
Maß an Energie, Kraft und Überwindung, zumal ich (im
Bewußtseinzustand dessen) mich, während einer schon
vorhandenen körperlichen Erschöpfungsphase, in eine noch mehr
kraftkostende Phase begebe, die meinen Körper bis zum
Äußersten beutelt und angreift. Obwohl ich meist schon vor
Erschöpfung schiele und mir die Stimme versagt (ich mache
zwischendurch Sprachtests), mein Körper zittert und von
Angstzuständen besessen, komme ich dennoch kaum zur Vernunft
aufzuhören. Nicht selten ist das letzte Signal ein
ernstzunehmender Zusammenbruch, daß ich es nicht einmal mehr
schaffe mich zu entkleiden. Ich bete nur noch, das bitte nichts
Schlimmes passiert, und verspreche, in Zukunft nicht mehr so zu
übertreiben. Unzählige Versprechungen habe ich mir selbst und
dem, was auf mich aufpaßt, gegeben.
Man kann, so glaube ich, nicht wirklich sagen,
daß ADDler alles um sich vergessen, wenn sie bestimmten Sachen
hinterherjagen. Irgendwo bleiben die anderen (vernünftigen)
Gedanken - eine lange Zeit neben der neuen Aktion, um einen selbst zu
warnen bzw. zu mahnen. Doch später übernimmt der innere
Jäger die Oberhand und die letzten warnenden, mahnenden Gedanken
sind ausgelöscht. Manchmal jedoch nicht für immer ..., sie
kehren zeitweise zurück und werden mal blasser, oder sogar
deutlicher. Es kommt auf die Wichtigkeit der Aktion und Situation an.
..........
Heute bin ich sehr früh aufgestanden.
Mich plagten fürchterliche Träume und das Wissen, daß
mein Hund bald sterben wird. Mich plagt die neue Erkenntnis. Ich bin
also zu früher morgendlicher Stunde aufgestanden, ungeduscht in
meine Sachen geschlüpft, den Hund an meiner Seite und raus in den
Herbst. So spazierten wir beide durch die Stille - und ich sammelte
Laub und Eicheln. Der Morgen war so bunt und warm, daß es wieder
einmal schmerzte und dennoch der eigentliche Schmerz zu heilen begann.
Ich fühlte regelrecht in Bildern, wie Wunden zusammenschmolzen und
das Rot sich verwandelte. Meine Wunde nahm die Farbe eines besonders
schönen Blattes in meiner Hand an, und ich fühlte Liebe zum
Leben - zum neuen Leben. Daraus ergaben sich neue Ziele und eine noch
nicht geborene Kraft, die aber alsbald geboren werden möchte.
Jetzt liegt es wieder erneut an mir - und erneut tritt dann die mir
bekannte Angst in Kraft, daß ich wieder versagen könnte.
..........
Wut über die Vergangenheit
Ich bin wütend über die
Vergangenheit, weil ich so viele Dinge versäumt habe, oder besser,
ich unfähig war mein Potential umzusetzen. Im Rückblick
meiner nun 36 Jahre habe ich zwar einiges im Leben erreicht, aber was
hätte ich nicht alles erreichen können, wenn es da nicht
dieses ADD geben würde. Immer wieder die gleichen Fragen, vor
allem die eine Frage: >Was wäre gewesen, wenn meine ADD schon
als Kind erkannt worden wäre, meine Eltern nur etwas mehr
Aufmerksamkeit dem geschenkt hätten, was meine frühen
Depressionen, Zurückgezogenheit, Übermut,
Stimmungsschwankungen, Schulprobleme, soziale Probleme, Bockigkeit,
Aufsässigkeit und vor allem der Selbstmordgedanken, welche ich
schrieb und aussprach etc. anging? Aber wie von den meisten Eltern,
wurden diese Verhaltensweisen und Defizite als ganz normales
Erscheinungsbild eines Kindes oder Jugendlichen gesehen. Jedes Kind hat
eben seine Eigenarten und Unartigkeiten, wie Probleme in der Schule
oder Umfeld.
..........
Zeitgeizheit
..........
Mir erscheint die Zeit wie Wildwasser. Ich
sitze im Kanu und kämpfe mich durch die tobenden Wassermassen und
kippe, bevor ich das Ziel erreiche, kraftlos aus dem schwankenden Boot.
Manchmal erreiche ich aber das Ziel, bin erschöpft und fühle
mich wunderbar frei und groß. Ich fühle, wie ich das
reißende Wasser bekämpft habe, richte mich auf und bin
voller Zuversicht.
Mißverständnisse
..........
Eine, nach ADDler eigene
Reizfilterschwäche macht dies ganz sicherlich nicht einfach.
Resultate der Vergangenheit zeigen, daß mangels Filter und
Konzentration, hoher Ablenkbarkeit und übersteuerten Emotionen,
ganz normale Aussagen anderer zum Verhängnis werden können
bzw. wurden. Die Aufnahme erfolgt in einem eher verschleierten
Zusammenhang, so daß man nicht immer in der Lage ist, richtig zu
empfangen. Dadurch entstehen Mißverständnisse und leider
wird man nach geraumer Zeit dementsprechend eingeordnet, was zum
allgemeinen Schubladendenken führt und unwiderruflich scheint. Dem
vorzubeugen bedarf es an Aufklärungsarbeit, damit sich zwei
Gesprächspartner nicht in die Höhle des Löwen begeben.
Weiß der Gesunde von den Defiziten des ADDlers, so ist es
möglich, noch einmal, bei Beobachtung eines
Mißverständnisses, nachzufragen. Daraufhin ist es dem ADDler
wiederum möglich, sich zu besinnen, neu zu überdenken und
dementsprechend darauf zu reagieren. Bei Wiederholungen von
ähnlichen Situationen tritt der Effekt ein, daß eine Art
Lernprozeß an Konzentration beginnt, wobei die Wiederholungen
immer längere Abstände bekommen. In anderer Form nennt man
das auch Coaching.
..........
Der Schulweg
..........
Allgemein: Ich reagiere höchst sensibel
auf Lautstärke und plötzlichen Änderungen. Mit
Änderungen meine ich, daß ein schneller Wechsel von
Situationen mich völlig aus der Bahn werfen kann, so daß ich
mich voller Schmerz fühle und kein klarer Gedanke greifbar
scheint. Dieser Umstand kann mehrere Stunden anhalten und kostet sehr
viel Kraft, so daß ich völlig erschöpft einschlafe oder
stundenlang apathisch auf einen Punkt starre. In dieser für mich
sogenannten Apathie bin ich wie im Trancezustand, welcher ganz nach
Grad der Schwere (nach dem scheinbaren Erwachen), zwischen
wahrnehmbaren Traum und nebliger Leere einhergeht.
..........
Arbeitsleben
..........
Aber ich habe nicht nur Arbeitsplätze
wegen meiner Robin Hood-Tätigkeit verloren, sondern auch, weil ich
oft nicht in der Lage war, zur Arbeit zu gehen, oder Anweisungen zu
befolgen, wie den richtigen Ton Vorgesetzten gegenüber zu finden.
Ich bin ein Nachtmensch und komme schlecht aus
dem Bett, wenn ich aus dem Bett bin, brauche ich Ewigkeiten, um aus dem
Haus zu kommen. Bin ich hinzu noch depressiv, so geht rein gar nichts
mehr. Aber wer versteht das schon und wie regelt man das allgemein?
Einem Vorgesetzten zu wiedersprechen, oder das zu sagen, was man gerade
denkt, ist wohl nicht so vorteilhaft. Manchmal wollte ich ja meine
Klappe halten, weil es sich nicht lohnte, etwas zu sagen, aber bevor
der Gedanke zuende gedacht, platzte es schon aus mir heraus und dem
Vorgesetzten platzte der Kragen.
..........
Konzentration
Meine Konzentration muß ich mir
wahrhaftig erarbeiten, erzwingen oder auch mit Gewalt abbrechen.
Letzteres ist ebenso gefährlich wie sich nicht konzentrieren
können. Ich kann mich nicht einfach so hinsetzen und arbeiten oder
eine Sache beenden um Etwas anzugehen was dringlicher und wichtiger
ist. Diese Beschreibung über Konzentration ist schwierig. Was ich
auch angehe, ich gehe es wirklich gern an - aber: ich kann weder einen
Anfang finden - noch ein Ende. Kompliziert was?
..........
Die Sonnenseiten
Die Sonnenseiten meines ADD sind, daß
mein Mangel an Filter - alles intensiviert. Durch diese
Intensivität, wird jeder Reiz so stark und groß wie ein
Fels, daß ich zwar erdrückt werde und Schmerzen ertragen
muß, aber wiederum auch das Licht und die Schattenspiele mit
meinen Augen, Ohren, Mund und Herzen filtere. Für mich bedeutet
es, daß ich mehr Möglichkeiten in Betracht ziehen kann,
welche vom gesunden Menschen erst gar nicht wahrgenommen werden. Weder
wahrgenommen, noch überhaupt sichtbar. Ich war mir schon als Kind
bewußt, daß ich alles aus einem anderen Blickwinkel sehe
als andere. Meine Betrachtungsweise und Wahrnehmung war intensiver,
phantastischer, kreativer, spannender und farbiger. Traurig war ich
nur, weil ich mich mit niemanden austauschen konnte und allein im
sonnendurchflutetem Mohnblumenfeld stand. Betäubt die Sinne und
doch so wach, daß es sehr weh tat, alle Reize und alle Ereignisse
in mir nicht ausdrücken zu können - können zwar schon,
aber ohne wirkliche Zuhörer, und vorallem Sehende. Ich war allein
und einsam; ich bin allein und einsam. Dennoch möchte ich nicht
nur darüber traurig sein, sondern erfreue mich wahrhaftig an das
was in mir steckt. Ich erfreue mich aber nicht im Sinne von
Glücklichsein, nein, an der Art und Weise, wie ich das Leben sehe.
Das was ich sehe, so glaube ich, ist das wirkliche Leben. Weit weg von
der Schattenseite der Hektik und dem Streß der modernen und meist
oberflächlichen Welt. Ich ordne Farben Temperaturen zu,
Temperaturen den Farben, kann bestimmte Erinnerungen durch Gerüche
in Bilder verwandeln und leben lassen, ich höre in Bildern Musik
und mache Musik zu Bilder, ganze Symphonien erklingen durch
Betrachtung, ich werde traurig und schmerzerfüllt durch
Schönheit. --- Die Sonnenseite der Schmerzen, welche ich
diesbezüglich gern ertrage.
..........
Interessiert es jemanden?
Seit ich weiß ADD zu haben, bin ich in
erster Linie versucht - meine Familie, Freunde und Bekannte
darüber aufzuklären. Ich hatte nicht gedacht wie schwierig
das ist.
Es ist mir vor der Kenntnisnahme ADD schon
aufgefallen, daß es scheinbar unmöglich ist, einen Menschen
von einem bestimmten Bild >Mensch< abzubringen, welches dieser
sich von jemandem gemacht hat. Im Leben verändert man sich, ob
durch verschiedene Lebenssituationen, Zeit der Reife, Ausbildung und
Beruf, gesammelten Erfahrungen etc.
..........
Wenn ich mir ein Bild von jemanden mache und
Defizite erkenne, selbst gegen meine Vorstellung gerichtete negative
Verhaltensweisen, so habe ich die Möglichkeit den anderen zu
befragen, oder ein Muß an Geduld, bis der andere sich eventuell
erklärt. Mir steht es nicht zu zu urteilen, ohne vorher wenigstens
den Versuch zu starten nach Grund und Ursache zu forschen, damit
Mißverständnisse nicht als Fels bestehen bleiben.
Meiner Meinung nach (nach der ich lebe) kann
ich jemanden nicht mögen, aber es steht mir dennoch keine
Verurteilung, Klatsch und Tratsch sowie Verachtung zu. Jemanden nicht
zu mögen beinhaltet - mir die Möglichkeit, mich mit diesen
Menschen nicht zu umgeben.
..........
Psychogene Erkrankungen
Als ich Anfang Zwanzig war, begann eine
schlimme Zeit für mich, weil mir in dieser Zeit zig psychogene
Erkrankungen das Leben zur Hölle machten. Ich hatte in kurzen
Abständen, mehrmals täglich, verschiedene Anzeichen und
Anfälle. Ich litt unter Todesängsten, Atemnot,
Schluckbeschwerden, Sprachstörungen, Zungentaubheit,
Sehstörungen, Augenschmerzen, geschwollenen Lymphknoten, Taubheit
in den Gliedern, Herzrasen, Schweißausbrüchen und
dauerhaften Genickschmerzen. Außer Zungentaubheit und
Sprachstörungen treten alle Symptome weiterhin auf, doch die
Zeitabstände sind erheblich größer geworden. Eigenartig
war, daß ich immer erst ab nachmittags diese Symptome bekam.
Sicherlich, so nehme ich an, konnte ich zu späterer Stunde die
Reize und Ereignisse des Tages nicht mehr bewältigen, zumal ich
nie mein Denken abschalten kann, und ich somit körperlich fast
immer erschöpft war und bin.
..........
Freundschaften
..........
Kein einfacher Mensch zu sein bedeutet nicht,
Freunde nur auf kurze Zeit zu haben, oder Feinde auf lange Sicht. Ich
bin für manch einen ein Exot, was auch Vorteile hat und mich
Menschen näher bringt, die selbst etwas außergewöhnlich
sind. Im übrigen fühle ich mich von
außergewöhnlichen und aus der Norm an sich herausragenden
Menschen sehr angezogen, weil sie mich zum Denken anregen, faszinieren,
begeistern, fördern, inspirieren und mich oft auf bestimmte Art
verstehen oder zumindest akzeptieren. Diese Menschengruppe bringt
Bewegung ins Leben und schafft andere Lebensformen, welche ich
notwendig finde, um alte verstaubte Instinkte wieder in unsere Zeit zu
integrieren. Alte, nützliche, längst vergessene Werkzeuge der
Sinne werden umgeformt und modernisiert, oder so zweckentfremdet,
daß diese neue Zwecke erfüllen.
..........
1 Prozent macht 100
Aufgrund der Tatsache, daß ich mangels
meiner Konzentration, Impulsivität, Ablenkbarkeit und alles oben
beschriebene unter Kapitel >Was ist ADD (Kurzbeschreibung)<,
meine Projekte nur teilweise zu Ende bringen kann und mein wahres
Potential nicht immer umsetzen kann, bin ich dennoch froh, daß
ich einen Teil meiner Begabungen zu Nutze mache. 1 Prozent macht eben
100, da ich mich 10x drehen muß für Gleiches, wo andere sich
höchsten 2x drehen. 1 Prozent macht 100 eben auch, weil es uns
ADDlern möglich ist, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Diese Sichtweise ist eine Art Überlebensform, welche aus dem
Ursprung herrührt und wieder an Wichtigkeit gewinnt. Kein ADDler
sollte sich fürchten, das zu sagen, was gesehen und empfunden
wird. Wir sind ein Teil der Wiedergutmachung.
..........
Pyramide der Wut
..........
In mir ist noch immer und wahrscheinlich
für immer die Pyramide der Wut, mein geliebtes nervendes Chaos,
meine daraus vorhandene Kreativität und Salz auf der Zunge.
Die kleinen Zettel mit guten
Vorsätzen an Papa
Aus meinem schlechten Gewissen heraus hatte
ich einige Jahre, an jedem Heiligen Abend (oder gar zum Geburtstag
meines Vaters) kleine handgeschriebene Zettel, mit neuen, aber doch
immer wiederkehrenden alten Vorsätzen, meinem Vater zum Geschenk
gemacht. Diese Zettel enthielten Versprechungen wie: ich werde
ordentlicher, räume mein Zimmer und meine Schränke auf, werde
den Hundenapf nicht mehr vergessen zu säubern, nicht vergessen den
Müll raus zu bringen etc. Ich wollte meinem Vater zeigen,
daß ich mich bemühen werde, durch weniger
Vergeßlichkeit Ärger zu vermeiden. Ich hatte fest daran
geglaubt, meinen Vorsätzen und Versprechungen gerecht zu werden,
doch es gelang mir nur für sehr kurze Zeit und unter permanenter
Angst und Anstrengungen. Bezüglich meines Versagens, mich an meine
Versprechungen zu halten, sank mein Selbstvertrauen, und die
Peinlichkeit dem Vater gegenüber stieg unermeßlich an. Immer
wieder gab es ellenlange Aussprachen und Ärger, weil ich so
schlampig in meinem Zimmer war, nicht lang und oft genug mit dem Hund
draußen, vergaß den Müll raus zu tragen, meine
Schulmappe chaotisch aussah, ..............
.......... Aus damaliger Sicht baute sich in
mir übergroße Angst auf, weil ich wußte, daß ich
nicht in der Lage war, meiner Vergeßlichkeit und Träumerei
Herr zu werden. Angst, Wut, Trauer, Haß- und Rachegefühle,
Reißaus-Vorstellungen und Außenseitersein breiteten sich in
mir aus und wurden wesenhaft. Ich fühlte mich ungerecht behandelt,
weil man meine Bemühungen nicht sah, mich als schlampig,
ungezogen, bockig und undankbar hinstellte. Ich verlor jeden Glauben an
Gerechtigkeit, fühlte mich innerlich zerrissen und verletzt,
miß- und unverstanden. Ich war oft der Auslöser elterlicher
Streitigkeiten, zog mir den Zorn und die Wut meiner Eltern zu, war
immer auf der Hut, und bedacht weniger Fehler zu machen. Meist blieben
all meine mir selbst gesetzten Vorsätze im Keim erstickt, woraus
resultierte, daß ich eine Art Problemkind wurde.
.............
Unterschiede und deren
Zusammenhänge
Aufmerksamkeitsdefizit (ADS/ADD/ADHD),
Hyperkinetisches Syndrom und Teilleistungsstörungen sind
miteinander verwandt, zeigen sich jedoch sehr unterschiedlich, wobei
sich nicht immer jedes einzelne Symptom insgesamt findet.
Hyperkinetische Kernsymptome sind:
Bewegungsdrang, nahezu unerschöpflich
Überschießende Impulsivität
Verkürzte Ausdauer und Konzentration
Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom
(ADS/ADD/ADHD) Kernsymptome sind:
Verkürzte Ausdauer und Konzentration
Normale Intelligenz
Lernschwierigkeiten
Lebhaftigkeit, aber keine übersteigerte
Unruhe
Gelegentlich übersteigerte
Impulsivität
Gute Eingliederung in der Gruppe
Hohe Kreativität, oft Führungsrolle
Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit und
ohne Hyperkinetischem Syndrom >Begünstigende Umstände<:
Erzieherische Inkonsequenz
Reizüberflutung
Nichtkreatives Spielzeug
Unregelmäßiger Tagesablauf
Mangelnde Familienbindung
Teilleistungsstörungen sind:
Koordinations- und Gleichgewichtsstörung
Veränderte Spannung der Muskulatur (zu
hohe oder zu niedrige besser: zu starke oder zu schwache
Grundanspannung der Muskulatur)
Störung der Feinmotorik
Wahrnehmungsstörung, visuell und auditiv
Störung der sensorischen Integration
Lese-Rechtschreib-Schwäche
Rechenschwäche
Briefe
an meine Eltern
(Jugendjahre)
(Originalauszüge)
Liebe Mutti, lieber Papa,
niemand merkt, daß ich mit meiner Welt
nicht fertig werde. Jeder kritisiert mich und mein Tun und Lassen.
Immer wird mir gesagt, ich sei eigenartig oder unnormal - aber woran
das liegt, darüber macht sich keiner Gedanken. Ich habe manchmal
das Gefühl, ganz allein zu sein. Erwartet von mir keine
Erklärung - ich kann sie Euch nicht geben. Vielleicht passe ich
nicht in diese Welt. Schenkt mir mehr Liebe, denn ich brauche sie -,
ich schäme mich so sehr, Euch das sagen zu müssen. Solange
ich denken kann - war ich immer unzufrieden. Ich möchte auch
einmal Ruhe finden, finde aber nicht den richtigen Weg.
..........
Liebe Mutti, lieber Papa,
..........
... Wieder einmal quälten mich
schreckliche Träume und ich erwachte schweißgebadet. ... Ich
lasse mich einfach dahinschweben, täusche mir selbst den
glücklichsten Menschen vor. - ... Ich höre meinen Herzschlag
laut, bekomme kalte Hände, aber es vergeht - und ich spüre
mich danach nicht mehr. - ... Wenn ich im Frühling, am frühen
Morgen durch die Straßen laufe, habe ich manchmal den Geruch
meiner Einschulung in der Nase. Es hört sich irre an, aber es ist
wahr. So erging es mir zum Beispiel auch an dem Tag, als ich einen Tag
nach meinem Geburtstag - vor dem Eingang meiner Arbeitsstelle stand.
Ich stand davor, fühlte mich eigenartig leichtfüßig und
wohl, machte eine halbe Umdrehung und lief ohne Ziel durch die Stadt.
Mich zog es in eine Kirche, in der zufällig eine Führung
stattfand. Man fragte mich, ob ich dazu gehöre - und ich sagte
einfach "ja". Alle sahen mich an, aber keiner hatte mich verraten. Ach,
war das schön. Ich fand alle Menschen so lieb und wünschte
mir - es wäre immer so. Aber leider sind solche Empfindungen nur
für den Augenblick. Irgendjemand rüttelt dich dann, und du
fällst aus diesen Gefühlen wie ein schlafendes Kind ins kalte
Wasser. - Ich bin so müde, aber ich kann nicht schlafen, weil mich
tausend Empfindungen bewegen. Das Bett ist für mich keine
Ruhestätte, alles arbeitet in mir. Ich bin auch so
fürchterlich nervös. Irgendetwas wühlt in mir und kann
nicht raus. Es ist zum verrückt werden. Ich habe ein
>Hungergefühl< und könnte mir, wenn ich liege, ein
Kissen unter dem Bauch legen. Ich möchte so gerne gehalten werden
... mir ist, als müßte ich mich übergeben. Alles dreht
sich in Kopf und Magen. Wie lange kann ein Mensch soetwas aushalten?
Wenn ich jetzt weinen würde, ginge es mir sicherlich besser.
Glaubt nicht: "Wenn sie jetzt bei uns wäre ...", es würde mir
bestimmt nicht besser gehen! Ich bin nicht unzufrieden mit mir und
meinem Leben. Ich fühle mich nur so komisch, und das schon sehr
lange. Wenn ich bei Euch bin, bin ich Eure Tochter, aber eben doch
nicht die, die ich wirklich bin. Wir zusammen sind der Alltag - doch
wer ist man wirklich? Jedes Wort sollte ein anderes sein, einen anderen
Ton haben, etwas anderes aussagen. Es geht nicht! Jeder Laut ist mir zu
laut, und wirkt auf mich wie eine unheimliche Masse. Ich lebe nur in
meinen Zeilen, welche still und lieb sind, ich es bin ..., ... hier
habt Ihr mich, hier! Am liebsten würde ich gar nicht reden wollen,
nur schauen, verstehen und fühlen. Mein Schweigen ist kein
Schweigen >gegen jemanden<. Es ist eine Art Verständigung -
meine Verständigung. Glaubt Ihr ich bin unnormal? Bin ich krank?
Ihr habt es gar nicht verdient, eine solch eigenartige Tochter zu
haben. Ich weiß, daß jeder von Euch seinen Teil denkt, und
Ihr zu keinem Ergebnis kommt. So ist nunmal der Mensch - ein für
mich unheimliches Geschöpf. Man kann ihn nie ganz ergründen,
er ist voller Geheimnisse, für mich furchtbar interessant und
beängstigend. Wäre ich eine Schriftstellerin, würde ich
mich vor mir selbst erschrecken und auch bewundern. Ich liebe Menschen
- die es schaffen Bücher zu schreiben, ich bewundere sie, ja - ich
beneide sie sogar sehr.
..........
Allgemeine Zeichen für
ADD/ADHD/ADS sind:
>für Kinder und Erwachsene<
>ADDler haben eine
mangelhafte Impulskontrolle. Besonders Kinder handeln mehr als andere
überstürzt und ohne Überlegung.<
>In der Schule beginnen ADD/ADHD-Kinder mit
der Lösung von Aufgaben, ohne sich vorher mit den notwendigen
Anweisungen auseinandergesetzt zu haben, unterbrechen den Lehrer beim
Unterricht und stören andere Kinder beim Arbeiten.<
>Kinder (gilt auch
für Erwachsene) mit ADD scheinen im Alltag keine
Frustrationstoleranz zu haben. Sie geben leicht auf, streben nach
schneller Bedürfnisbefriedigung und werden ärgerlich, wenn
andere sich nicht so verhalten wie sie es sich vorstellen oder
Situationen sich nicht so entwickeln, wie sie es erwarten. Diese nicht
ausreichende Selbstkontrolle führt bei Kindern dazu, daß sie
als ungehorsam, böse oder nachlässig erscheinen.<
>Die Störung
der Aufmerksamkeit zeigt sich in einer kurzen Aufmerksamkeits-spanne
und einer hohen Ablenkbarkeit.<
>In
Anforderungssituationen sind ADDler extrem ablenkbar und wenden sich
jeder Störquelle zu, wobei sie Wesentliches und Unwesentliches
nicht unterscheiden können.<
>ADDler können
aber auch strukturiert arbeiten, wobei in Gruppensituationen sich
dieses Bild jedoch plötzlich ändern kann und sie wirken dann
impulsiv, wenig organisiert, unaufmerksam und scheinen keinen Blick
für Gefahren und möglichen Folgen/Konsequenzen zu haben.<
>Vor allem bei
Kindern in Hausaufgabensituationen wird von Eltern
Konzen-trationsmangel beklagt. Es kommt zwischen Eltern und Kind oft zu
heftigen Auseinandersetzungen.<
>Personen mit ADD
beobachten ständig ihre Umgebung. Sie bemerken alles, was um sie
herum passiert, insbesondere registrieren sie Veränderungen oder
schnell wechselnde Dinge. Es ist oft unmöglich sich mit einem
ADDler zu unterhalten, wenn z.B. ein Fernseher oder die Musikanlage
läuft.<
>ADDler haben kurze,
aber außergewöhnlich intensive Aufmerksamkeitsspannen.
Merkwürdigerweise läßt sich diese Eigenart nicht in den
üblichen Maßeinheiten Minuten oder Stunden definieren.
Einige Aufgaben langweilen die ADD-Person bereits nach dreißig
Sekunden, andere aber können ihre gespannte Aufmerksamkeit
für Stunden, Tage oder sogar Monate aufrecht erhalten. Erwachsene
ADDler haben oft Schwierigkeiten, eine Arbeitsstelle über
längere Zeit zu halten, nicht etwa, weil sie fachlich unfähig
sind, sondern eher weil sie sich so schnell langweilen.<
>Menschen mit ADD
treffen bei Ablenkung spontan eine neue Entscheidung und setzen neue
Prioritäten. Egal woran sie gerade arbeiten, jede, auch die
wichtigste Angelegenheit, wird vergessen oder uninteressant, und sie
widmen sich sofort anderen, für sie interessanteren Dingen zu.
Hinterlassen wird ein Berg unerledigter Dinge.<
>ADDler haben ein
verzerrtes Zeitgefühl. Die meisten Nicht-ADDler erleben die Zeit
in einem ziemlich gleichmäßigen linearen Fluß. Dagegen
haben ADD-Menschen ein übertriebenes Dringlichkeitsgefühl,
wenn sie sich einer Aufgabe engagiert annehmen, und erleben
unerträgliche Langeweile, wenn sie meinen, nichts zu tun zu haben.
Dieses Gefühl der Langeweile führt häufig zum
Mißbrauch wie z.B. Alkohol oder Drogen, die das Zeitempfinden
verändern, während das "Zeitraffer"-Gefühl bei einem
[interessanten] Projekt sie chronisch ungeduldig macht. Dieses
elastische Zeitempfinden führt auch dazu, daß viele
ADD-Erwachsene berichten, wie stark sie von emotionalen Höhen und
Tiefen gebeutelt werden. Insbesondere die Tiefen erscheinen dabei, als
wollten sie nie enden, und die Höhen werden oft nur als kurzes
Auflodern empfunden.<
>ADDler sind schnell
enttäuscht und ungeduldig. Sie sagen sofort was sie denken und
können es nicht ertragen, wenn jemand stundenlange
Erklärungen abgibt. Es ist für sie auch quälend jemanden
zuzuhören der nicht sofort zur Sache kommt und ewig um ein Thema
herumredet, weil dieser Mensch vielleicht nach vorsichtigen
Formulierungen sucht, um einen anderen z.B. nicht zu verletzen mit
seiner Aussage.<
>Die Symptome, die
ADD insbesondere kennzeichnen, sind leichte Ablenkbarkeit,
Impulsivität und manchmal, aber nicht immer, auch
Hyperaktivität und Energieüberschuß. ADDler sind
ständig in Bewegung. Sie sind faszinierende Persönlichkeiten,
Abenteuerjäger, hochenergetische Macher und Pragmatiker, immer auf
dem Sprung. Sie haben eine Menge Projekte gleichzeitig laufen und sind
ständig hinter irgend etwas her. Sie sind nicht sehr
entschlußfreudig, und es fällt ihnen schwer, eine Sache zu
Ende zu machen. Sie sind mitunter ziemlichen Stimmungsschwankungen
unterworfen und können vom einen auf den anderen Augenblick, ohne
ersichtlichen Grund, von der höchsten Euphorie in die tiefste
Depression abstürzen. Sie reagieren unter Umständen gereizt,
ja sogar wütend, vor allem wenn man sie unterbricht oder wenn sie
sich von einer Sache einer anderen Sache zuwenden müssen. Sie
haben ein lückenhaftes Gedächtnis. Sie träumen
häufig mit offenen Augen. Sie lieben Situationen, die sie
aufputschen.<
>ADDler geraten
schneller in Wut als andere. Sie können ihre Impulse nicht so gut
zügeln. Ihnen fehlt die kleine Pause zwischen Impuls und Handeln,
die die meisten Menschen befähigt, innezuhalten und nachzudenken.
Eine Behandlung hilft dabei, aber sie führt nicht zu einer
völligen Heilung.<
>Bei vielen
Mädchen wird ADD nie erkannt. Sie werden statt dessen einfach
für schüchtern, in sich gekehrt oder gar depressiv
gehalten.<
>ADD funktioniert
bei der Verschärfung von Lernproblemen nach demselben Prinzip wie
Kurzsichtigkeit: Man kann nicht fokussieren, wie man müßte,
folglich ist man nicht in der Lage, seine Begabungen voll
auszuschöpfen.<
>Menschen mit ADD
kriegen häufig die subtilen Winke und Botschaften nicht mit, die
für das reibungslose Funktionieren des gesellschaftlichen Umgangs
unerläßlich sind. Sie erwecken vielleicht den Eindruck,
blasiert oder gleichgültig oder egozentrisch oder gar feindselig
zu sein, während sie einfach nur verwirrt sind beziehungsweise
nicht wissen, was um sie herum vorgeht. Mit zunehmender Verwirrung
können sie in Wut geraten oder sich zurückziehen, und beide
Reaktionen führen zu einer Beeinträchtigung der
zwischenmenschlichen Beziehung.<
>Dr. Zametkin vom
National Institutes of Mental Health, wies nach, daß auf der
Zellebene ein Unterschied zwischen Menschen mit ADD und Menschen ohne
ADD bestand: Der Energieverbrauch der Gehirnzentren, die die
Aufmerksamkeit, Affektivität und Impulskontrolle regulieren, ist
bei der einen Gruppe ein anderer als bei der anderen. Die Studie
erschien 1990 in einem der renommiertesten, nach strengsten
Maßstäben herausgegebenen medizinischen Fachjournal, dem New
England Journal of Medicine. Es gab zwar schon vorher Studien, die auf
biologische Basis der ADD hindeuteten, die Untersuchung von Zametkin
war jedoch die fundierteste und plausibelste. --- Seit der
Veröffentlichung der beiden Studien von Zametkin sowie Hauser und
Zametkin haben viele Forscher sich über ADD bei Erwachsenen zu
interessieren begonnen, woran die anhaltende Aufbruchstimmung auf
diesem Forschungsgebiet nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte.
--- ... und wir stehen noch am Anfang unserer Erkenntnis, auf welch
dramatische Weise die Behandlung der ADD wirken kann.<
>Menschen mit ADD
brauchen eine äußere Ordnung mehr als andere. Sie brauchen
soviel äußere Ordnung, weil es ihnen so an innerer Ordnung
mangelt. Sie sind von dem furchterregenden Gedanken erfüllt,
daß ihre Welt jeden Moment vom Einsturz bedroht sein könnte.
Und sie haben nicht selten das Gefühl, sich am Rande einer
Katastrophe zu befinden, als ob sie mit mehr Bällen jonglieren,
als sie bewältigen können. Ihr Innenleben verlangt nach
Bekräftigung, Wegweisungen und Orientierungshilfen. Sie brauchen
die Hilfsmittel wenn es ihnen schlecht geht (Computer, Karteikarten,
Ablagekästen, Terminkalender etc.), weil sie sich ohne sie vom
Chaos überwältigt fühlen. Es ist der Grad, der ihr
Bedürfnis nach Ordnung von dem normalen Bedürfnis anderer
Menschen unterscheidet. Sie brauchen viel davon, und sie brauchen sie
oft.<
>Erwachsenen mit ADD
sind keine beruflichen Nieten, selbst wenn sie oft Phasen völliger
Arbeitsunfähigkeit verzeichnen. Viele erfolgreiche Menschen haben
diese Störung. Sie ist vor allem unter kreativen Menschen
verbreitet - unter Künstlern, Schauspielern, Schriftstellern -
unter Wissenschaftlern, Leuten, von denen in ihrem Beruf ein hohes
Maß an Energie und Risikobereitschaft verlangt wird, sowie unter
Freiberuflern.<
>ADD geht nicht
wieder weg. Man kann sie nicht operativ entfernen. Wenn man sie als
Erwachsener hat, behält man sie sein Leben lang.<
>Menschen, die wegen
ADD in Behandlung sind, haben gewöhnlich immer noch mit den
Problemen des Sich-Organisierens, der Impulsregulierung und der
Ablenkbarkeit zu kämpfen. Mehr noch schlagen sie sich aber mit den
Sekundärproblemen herum, die sich im Lauf der Jahre herausgebildet
haben, in denen sie mit einer unerkannten ADD gelebt haben. Es sind
Symptome wie zum Beispiel ein beschädigtes Selbstbild, ein
geringes Selbstwertgefühl, Depressionen, Angst vor anderen
Menschen, Selbstargwöhnung, Unzuverlässigkeit in
zwischenmenschlichen Beziehungen und Wut über die Vergangenheit.
Diese Wunden heilen nur sehr langsam.<
>Menschen mit ADD
brauchen häufig jeden Tag eine gewisse «Abschaltzeit»,
um ihre Batterien wieder aufzuladen. Es ist besser, sich auf diese Zeit
im voraus zu verständigen und sie freizuhalten, statt sich
jedesmal, wenn es soweit ist, darüber von neuem zu streiten.<
>Viele Menschen mit
ADD witschen einem weg wie Quecksilber. Im einen Moment hat man sie,
und im nächsten sind sie auch schon wieder weg.<
>In Familien, in
denen ein Kind (oder auch ein Erwachsener) ADD hat, entwickelt sich
häufig das, was wir den Großen Kampf nennen. Das ADD-Kind
schafft es nicht, seinen Pflichten nachzukommen, im Haushalt zu helfen,
bei seinen Schulaufgaben zu bleiben, sich an die Ordnung des
familiären Tageslaufs zu halten, morgens pünktlich
aufzustehen, pünktlich das Haus zu verlassen, sein Zimmer in
Ordnung zu halten, sich kooperativ am Familienleben zu beteiligen und
sich generell zu Hause «einzufügen». Das führt zu
immer mehr Beschränkungen von Seiten der Eltern mit immer
strengeren Strafen und einem immer eingeschränkteren Freiraum
für das Kind. Das wiederum verstärkt beim Kind Trotz,
Widerstand und Entfremdung mit der Folge, daß die Eltern noch
aufgebrachter sind über ein Verhalten, das sich ihnen als rein
willensabhängig darstellt, keineswegs als die neurologische
Störung ADD.<
>Unglücklicherweise
werden die Hauptmerkmale der ADD - Ablenkbarkeit, Impulsivität und
Energieüberschuß - so gewohnheitsmäßig mit
Kindheit und Jugend in Verbindung gebracht, daß die
Möglichkeit einer unterschwelligen neurologischen Ursache
häufig gar nicht in Betracht gezogen wird.<
>.... die Worte, die
für so viele Kinder und Erwachsene mit ADD die letzte Ausflucht
sind: «Ich weiß es nicht».<
>Es gibt Kinder mit
ADD die schon sehr früh depressiv sind und ihrem Leben ein Ende
bereiten möchten, weil sie sich unverstanden fühlen,
spüren das sie anders sind als andere und nicht verstehen, weshalb
sie Lernschwierigkeiten haben, obwohl sie doch eigentlich alles
wissen.<
>Viele Kinder mit
einem Aufmerksamkeitsdefizit haben Störungen der Wahrnehmung:
einige von ihnen lehnen Berührungen heftig ab. Manche Kinder mit
ADD überspringen bestimmte Entwicklungsstufen. Ihnen fehlen daher
für die Verarbeitung im Gehirn wichtige Erfahrungsdaten. Wenn ein
Kind wenig Gelegenheit zur Entwicklung seiner Hautwahrnehmung hat, kann
es später Berührungen, Kleidung o.ä. als unangenehm
empfinden.<
>Aufmerksamkeitsgestörte
Kinder haben viele Probleme: sie werden >normalen< Anforderungen
nicht gerecht und bekommen diese in der Familie und im weiteren
sozialen Umfeld deutlich zu spüren. Häufig wird ihnen - in
Unkenntnis der Ursache für ihr Verhalten - unterstellt, daß
sie unwillig, verstockt und bösartig sind, besonders, wenn
bestimmte Aufgaben mal gelingen, dann mal wieder nicht. Daß sie
sich bemühen, wird ihnen oft nicht geglaubt. In jedem Fall ernten
sie häufig Kritik, Lob dafür selten oder gar nicht. Kein
Wunder, daß ihr Selbstbild negativ wird.<
>Ohne rechtzeitige
Hilfestellung verschärfen sich die Probleme der Jugend beim
ADD-Erwachsenen: das Niveau seines Schulabschlusses liegt deutlich
unter seiner intellektueller Kapazität, die Berufsbildung
entspricht ebenfalls häufig nicht der eigentlichen
Fähigkeit.<
>Kreativität
wird über verschiedene Eigenschaften definiert, die sich allesamt
bei ADD-Kindern und Erwachsenen wiederfinden. Experten vermuten daher
auch einen Zusammenhang zwischen Kreativität und ADD.<
>Kreative Menschen
sind wagemutig und stets bereit, sich auf ein unbekanntes Terrain zu
begeben und Risiken einzugehen.<
>Menschen mit ADD
gehen unkonventionelle Wege. Sie können Vorgänge aus anderen
als den üblichen Blickwinkeln betrachten, ihre
Assoziationsfähigkeit beflügelt sie. So bemerken sie
Lösungen, die normalen Menschen zunächst nicht einsichtig
sind.<
>Kreative Menschen
suchen neue Lösungsmöglichkeiten und überwinden
Hindernisse, sie "bauen aus Steinen, die man ihnen in den Weg legt, ein
Haus". Bei Vorgängen, die scheinbar nichts miteinander zu tun
haben, können sie durch ihre unkonventionelle Sichtweise
Zusammenhänge aufdecken.<
>Antisoziales
Verhalten mit beispielsweise abrupt einsetzenden Wutausbrüchen bei
ansonsten unauffälligen Menschen ist oft Ausdruck einer mangelnden
Steuerungsfähigkeit.<
>Das Selbstvertrauen
der meisten Betroffenen ist durch viele negative Erfahrungen nicht
ausreichend stabil, oft verstehen sie ihre Versäumnisse selbst
nicht. Je länger dieser Zustand andauert, desto weniger trauen sie
sich auch selbst zu. Bei Jugendlichen sind dann Schul- und
Lehrvertragsabbrüche angesagt, bei Erwachsenen Stellenwechsel und
Arbeitslosigkeit. Die täglichen Kleinkriege, verbunden mit
heftigen - den Außenstehenden überhaupt nicht
einfühlbaren - Wutausbrüchen intensivieren das Gefühl
wertlos zu sein, sehr häufig werden Selbstmordgedanken
entwickelt.<
>Nach der Schul- und
Lehrzeit kann es zu einer Beruhigung kommen, ein gewisses
Sich-Verzetteln ist dann ein Restsymptom, das für den Betroffenen
und die Umgebung mehr den Charakter einer lästigen Eigenart eines
Menschen darstellt. Häufig gelingt es nicht, Termine einzuhalten
oder sich selbst die Erfüllung bestimmter Aufgaben abzufordern..
Bei den Berufstätigen verstreichen Termine, die sogar
existenzbedrohende finanzielle Folgen haben können, ohne das sich
der Antrieb einstellt, endlich den geforderten Arbeitsbeitrag zu
liefern. Diese Menschen können ein sehr harmonisches und
ausgefülltes Leben führen, wenn es ihnen gelingt, einen
Partner zu finden, der ihnen in zurückhaltender Weise den Weg
weist, die Amerikaner verwenden das Wort Coaching, das ja heute in
aller Munde ist, weil ein Sportler ohne guten Coach nichts werden
kann.<
>Das Gefühl nur
mit sich selbst beschäftigt zu sein, ihre innere Unordnung vor der
Umgebung verbergen zu müssen, ist so intensiv, daß mit
fortschreitendem Alter und zunehmenden Aufgaben diese Thematik fast das
gesamte Denken bestimmt. Die äußere Unordnung fällt in
Form von Bergen unerledigter Papiere auf.<
>Die Suche nach
Anerkennung treibt sie zu ungewöhnlichen Leistungen, aber oft wird
auch von einem Gefühl des Nebensichstehens berichtet, so daß
eine tatsächliche Würdigung ihrer Leistung nicht von ihnen
selbst wahrgenommen werden kann. Wie schon erwähnt, kommt wieder
die Neigung zur extremer Selbstbetrachtung ins Spiel, die dazu
führt, daß die eigene Einschätzung der Leistung, die
meist negativ ist, im Vordergrund bleiben kann. Während sich
andere Menschen an ihren Leistungen erfreuen können, bleiben den
Betroffenen letzten Endes nur Selbstzweifel und eine
Erschöpfungsreaktion. In diesem Fall wäre eine solche
Depression nicht nur Ausdruck sinkender Hormonspiegel.<
>Unter den
Perfektionisten beiderlei Geschlechts sind sicher eine Reihe
Betroffener, die eine geradezu fanatische Ordnungsliebe entwickelt
haben und damit in nicht unterschätzendem Ausmaß die Familie
und die Freunde tyrannisieren. Sie sehnen sich nach strenger Ordnung,
weil sonst für sie alles im Chaos versinkt. Die
Schlafstörungen sind eher gekennzeichnet von häufigem
Aufwachen als dem bei psychisch Kranken mit Depressionen bekannten
Wachliegen und Zwang zum Grübeln.<
ADS - positive Eigenschaften erkennen und
fördern:
>Kreativität wird über
verschiedene Eigenschaften definiert, die sich allesamt bei ADS-Kindern
und Erwachsenen wiederfinden. Experten vermuten daher auch einen
Zusammenhang zwischen Kreativität und ADS.<
>Kreative Menschen sind wagemutig und stets
bereit, sich auf ein unbekanntes Terrain zu begeben und Risiken
einzugehen.<
..........
>Menschen mit ADS gehen unkonventionelle
Wege. Sie können Vorgänge aus anderen als den üblichen
Blickwinkeln betrachten, ihre Assoziationsfähigkeit beflügelt
sie. So bemerken sie Lösungen, die normalen Menschen zunächst
nicht einsichtig sind.<
>Kreative Menschen suchen neue
Lösungsmöglichkeiten und überwinden Hindernisse, sie
"bauen aus Steinen, die man ihnen in den Weg legt, ein Haus". Bei
Vorgängen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben,
können sie durch ihre unkonventionelle Sichtweise
Zusammenhänge aufdecken.<
..........
Stark sein ist längst nicht alles
Meine Phantasie, meine Verletzlichkeit,
Schulschwächen und der Mangel an Lob und Anerkennung haben mich
zwar zu einem in dieser Gesellschaft schwachen Menschen sein lassen,
aber ich wußte es besser. Die meisten Menschen sehen gern
traurige Filme, brechen in Tränen aus oder unterdrücken sie,
weinen, wenn ihr Kind eingeschult wird etc. Hingegen sie draußen
immer auf cool und überheblich machen.
..........
Was andere als Schwäche oder weichlich
bezeichneten in unserer Gesellschaft, wurde mir zu einer Lebensaufgabe
und angeborener Sensibilität, welche ich unter keinen
Umständen aufgeben wollte und gab. Schade ist nur, daß ich
nicht lernen konnte, mein wahres Ich auch wirklich immerzu zu behalten,
da aus einem Schamgefühl und aus der Erziehung ein Wall entstanden
ist, den ich nicht brechen kann. Somit wurde auch ich zu einer
gespaltenen Persönlichkeit und lebe mit Mogelpackungen, welche
nicht immer positiv ankommen und oft ein falsches Bild vermitteln.
Jeder weiß, wie schwierig es ist, sich diesem falschen Bild zu
entziehen und ein wahres Bild wesenhaft werden zu lassen. Welches Bild
auch jemand von dir hat, so muß man auch mit dem entsprechenden
Feedback rechnen und sich dem stellen. Diese Aufgabe übernimmt
niemand für dich, da du allein verantwortlich bist wie du von
anderen gesehen wirst. Sicherlich spielt das Empfinden und Denken des
Gegenüber auch eine Rolle, aber in erster Linie ist es dein Werk,
welches du fabrizierst.
Ich bin der Meinung, daß wir heute schon
wieder einen Schritt zur Sensibilität gegangen sind und die
Sensibilität wieder an Punkten gewinnt. Allein schon der Umgang
mit der Natur und die Erhaltung unserer wahren Werte der Erde ist ein
Zeichen, daß das Herz wieder Mitspracherecht bekommen hat. Stark
sein ist eben längst nicht alles.
..........
Ergänzungen (III) - (Nachtrag vom
20.05.1999)
...........
Irgendwie ist mein Kopf zwar klarer geworden,
aber dennoch erkenne ich diese Art von Klarheit nur aus sehr weiter und
nebliger Entfernung. Wenn ich mich nicht auf eine bestimmte
Tätigkeit direkt konzentriere, scheint es eine streifenfreie und
völlig klare Sicht zu geben, welche sich andererseits nur schwer
definieren läßt, da es nur das Sehen betrifft und nicht das
Empfinden. Begebe ich mich bewußt in eine Konzentrationsphase,
vielleicht nur um mich an etwas zu erinnern - was zur Erledigung
einiger Dinge notwendig ist, sehe ich ganz entfernt durch eine
Nebelwand >das< was wichtig ist, aber ich kann es nicht greifen
und es ist, als würde meine Auge von diesem Etwas abrutschen und
mit sofortiger Wirkung jeden Kontakt verlieren. Kontakt verlieren
sinnbildlich: das die Erinnerung an das was gesehen wurde
augenblicklich gelöscht wird mit dem Abgleiten des Blickes. Da
meine Wahrnehmung meist (nicht immer) 100%tig funktioniert, ist dieses
Gefühl des Nicht-halten-können ein ständiger
Auslöser von innerer Unruhe, Wut, Gehetztheit,
Streßempfinden durch permanente Anstrengung und ein Leben im
Wandel von Nebel.
Ich habe urplötzlich eine neue Erkenntnis
gewonnen, welche mich so sehr irritiert, daß ich erneut beginnen
muß mich neu zu orientieren. Diese Erkenntnis setzt sich zusammen
aus einem Lebensrückblick, der mir (und das leider auf wirklich
noch nie dagewesene glasklare Sicht) zeigt, daß ich fast 38 Jahre
meines Lebens im Nebel wandelte und seine Existenz nie wahrgenommen
hatte. Dieses Gefühl macht mir Angst, weil ich glaube, daß
ich nur für einen Moment ins Licht trete, danach wieder erneut in
die Dunkelheit zurück muß.
..........
ENDE LESEPROBE